Wir leben in einer Gesellschaft in der Leistung oft das Maß der Dinge zu sein scheint. Geschafft hat es, wer die Karriereleiter nach ganz oben geklettert ist. In der Folge des Trends entsteht Leistungsdruck, um dem gerecht zu werden, dopen manche ihr Gehirn mit Ritalin, Vigil und Co.

Verlässliche Studien, die angaben über die Zahl derer machen, die auf Gehirndoping mit Hilfe von Medikamenten setzen gibt es nicht. Oft widersprechen sich die Fakten der Untersuchungen. Aber so viel ist klar: Gehirndoping ist kein Einzelfall.

Gehirndoping im Studium

An der Universität erfahren die meisten das erste Mal was Leistungsdruck wirklich ist. Während in Schulzeiten ein paar Tage lernen für eine Arbeit noch reichten, muss jetzt der Stoff von einem halben Jahr ins Hirn und das nicht nur in einem Fach. Fünf bis sechs solcher Prüfungen am Ende eines Semesters sind der Regelfall. Da einige Studenten das Lernen lieber auf später verschieben entsteht kurz vor der Prüfungsphase ein ungeheurer Leistungsdruck. Der ganze Stoff muss möglichst schnell noch in den Kopf, denn schlechte Noten und Dauerstudenten sind im Bologna-System nicht gern gesehen. Was tun?

Immer mehr Studenten scheinen diese Frage mit Gehirndoping zu beantworten. Medikamente, die eigentlich Krankheiten lindern sollen, wirken bei gesunden Menschen leistungsfördernd. Ritalin beispielsweise beruhigt hyperaktive Kinder, hat aber den gegenteiligen Effekt bei irregulärer Einnahme. Dass die Zahl derer, die ihre Leistung mit Hilfe der Chemie steigern, zugenommen hat, legen die Verkaufszahlen der Produkte nahe. Auch Vigil gehört dazu, ein Mittel, dass gegen Narkolepsie gegeben wird.

Beide Produkte steigern die Aufmerksamkeitsfähigkeit, sie machen wach und kreativ. Das Perfekte Droge, um vor Prüfungen zu lernen oder Hausarbeiten konzentriert zu schreiben. Wären da nicht die Nebenwirkungen.

Ritalin und Co.: Nebenwirkungen

Langzeitstudien gibt es zu den Medikamenten nicht. Denn was bislang im Zentrum der Forschung stand waren die Auswirkungen auf kranke Menschen, nicht auf völlig gesunde. Bekannt sind Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Schlaflosigkeit und Panikattacken.

Das scheint einige aber nicht abzuschrecken. Studien aus den USA zu Folge nehmen etwa 16 Prozent der Studenten leistungssteigernde Mittel ein. Deutsche Forscher halten diese Zahl für falsch und korrigierten sie auf etwa fünf Prozent.

Während des Studiums entsteht demnach häufig der erste Kontakt zu solchen Produkten. Aber auch im Arbeitsalltag finden die Medikamente Einsatz, wie man zahlreichen Internetforen entnehmen kann. Auch hier lastet der Leistungsdruck zumeist auf den jüngeren Kollegen, die gerade erst Fußfassen in der Arbeitswelt. Um mit der Konkurrenz mithalten oder sie gar abhängen zu können, nehmen angehende Manager, Consultants und Co. Substanzen, die ihre Leistung pushen.

Neben den gesundheitlichen Risiken sollte auch die ethische Problematik betrachtet werden. Es gibt zwei Hauptargumentationen für und gegen den Einsatz von Gehirndoping. Demnach spreche dagegen, dass jeder mit dem leben und arbeiten sollte, was ihm von Natur aus mitgegeben ist. Eine Leistungssteigerung mit Hilfe gekaufter Mittel wird als unfair empfunden. Zudem würde sich so auf der Karriereleiter die Schere zwischen arm und reich noch weiter auseinander gehen. Die anderen finden es ungerecht, dass Menschen die nicht so intelligent sind wie andere, diesen Nachteil nicht ausgleichen dürfen. Mit einem ähnlichen Intelligenzlevel würden so die Unterschiede ausradiert. Diese Argumentation ist allerdings nicht ganz schlüssig. Sie wird nur Sinn ergeben, wenn lediglich die Menschen mit weniger Grips zu den Mitteln greifen würden. Dabei ist es in der Realität eher eine Tendenz in der Schicht der Akademiker, die so die Differenz noch weiter ausprägen.

Das wahre Problem hinter dem Ganzen ist aber ein anderes: Der übermäßige Druck in der Leistungsgesellschaft, der auch zu Überforderungserscheinungen wie dem Burnout führt. Karriere und Geld sind nicht alles.