Dass Europa in Sachen Löhne keine einheitlichen Kurven zu verzeichnen hat, dürfte bei der derzeitigen Wirtschaftslage klar sein. Die Finanzkrise lässt einige Länder in den Lohnabgrund rutschen, während andere scheinbar uneinholbar davoneilen. Doch wo wird am meisten verdient?

Stundenlohn-Vergleich lässt Deutschland schlecht aussehen

Die EU-Stundenlohn-Karte 2013 macht deutlich: Deutschland hinkt beim Bruttogehalt vor allem Skandinavien und den Benelux-Staaten deutlich hinterher. Mit 16,95 Euro pro Stunde verzeichnet die Bundesrepublik Stundenlöhne von mehr als zehn Euro weniger als Spitzenreiter Dänemark (27,09 Euro/Stunde). Die Krisenländer Portugal (7,71 Euro/Stunde) und Spanien (11,5 Euro/Stunde) lassen Osteuropa noch immer alt aussehen. Während Polen (5,11 Euro/Stunde) gerade noch Anschluss findet, sind Rumänien (2,67Euro/Stunde) und Bulgarien (2,04 Euro/Stunde) abgeschlagen die Schlusslichter der Tabelle.

Zu beachten sind dabei natürlich auch immer die Lebenshaltungskosten, die in Skandinavien und Großbritannien wesentlich höher und in Osteuropa deutlich niedriger sind. Außerdem gilt es zu bedenken: Die Schweiz ist kein Mitglied der EU und somit in der Tabelle nicht vertreten. Weitere Studien beweisen jedoch, dass das Land der Bergbewohner Europas Gehälterliste anführt. Das „Eurostat Jahrbuch der Regionen“ belegt außerdem: In London leben die reichsten Europäer. Dort ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf mehr als ein Dreifaches des EU-Durchschnitts.

Geringverdiener

Die deutschen Zahlen lassen auch bei Geringverdienern keine Freude aufkommen: Ein Viertel aller Deutschen verdient unter 9,54 Euro brutto pro Stunde (Quelle IAB-Studie 2013). Nur Litauen verzeichnet einen höheren Anteil an Geringverdienern.

Gesetzliche Mindestlöhne

Das Land mit dem höchsten Mindeststundenlohn ist laut Statista-Studie Luxemburg mit 11,1 Euro pro Stunde (Stand Oktober 2013). Abgeschlagen dahinter folgen Frankreich (9,43 Euro), Belgien (9,1 Euro) und die Niederlande (9,07 Euro). Schlusslicht der Liste ist Bulgarien mit 0,95 Euro in der Stunde. In Deutschland gibt es derzeit noch keinen gesetzlichen Mindestlohn.

Lohngefälle in Deutschland

Der Stepstone-Gehaltsreport zeigt: Mediziner und Ingenieure verdienen in Deutschland das meiste Geld. Akademiker erhalten der Studie zufolge sogar 35 Prozent mehr Geld als Arbeitnehmer mit anderen Abschlüssen. Innerhalb Deutschlands variieren Gehälter trotz gleicher Ausbildung jedoch noch immer stark. Laut Welt Online soll Deutschland sogar das größte Lohngefälle Europas aufweisen. Hier ist es hilfreich, seinen eigenen Arbeitsmarktwert mit anderen Menschen deutschlandweit zu vergleichen. Dazu dienen Seiten, bei denen man seine Gehaltsdaten in eine deutschlandweite Datenbank eingibt. Hierdurch kann man Gehälter bei gleicher Berufsqualifikation gegeneinander aufwiegen und so seinen Marktwert ermitteln.

Auf der Seite Gehaltsvergleich sehen Sie eine Tabelle mit den Durschnittsgehältern verschiedener Berufsgruppen am Beispiel von Bayern.

Die Schere zwischen Arm und Reich

Besonders in aktuellen Krisenländern wie Spanien und Griechenland ist das Arm-Reich-Gefälle groß. Deutschland bewegt sich im Mittelfeld der Europatabelle, Österreich und Frankreich weisen in dieser Kategorie die geringsten Unterschiede auf.

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