Wenn intime Fragen im Bewerbungsgespräch auftauchen, sind nicht nur ein kühler Kopf und Gelassenheit gefragt, sondern auch die Fähigkeit, zu entscheiden, auf welche Frage man wie reagieren muss.

 

Dabei sind manche intime Fragen beim Bewerbungsgespräch einfach nur unangebracht, andere dagegen sogar gesetzwidrig. Je nach Branche oder angestrebtem Posten kann es aber durchaus ratsam sein, die ein oder andere Frage dennoch wahrheitsgemäß zu beantworten, um das Vertrauensverhältnis in einer eventuelle spätere Zusammenarbeit nicht zu gefährden. Bei besonders unangenehmen Frage sollte man stets zuerst versuchen, den Grund hierfür zu erfragen, anstatt sofort zu blockieren.

Intime Fragen beim Bewerbungsgespräch: Wann antworte ich ehrlich?

Denn mitunter mag sich eine eigentlich unangebrachte oder gar verbotene Frage als durchaus berechtigt herausstellen. So müssen Bewerber für einen Posten im Gesundheitswesen den potenziellen Arbeitgeber durchaus über eine HIV-Erkrankung informieren. Ist ein Job mit schwerer körperlicher Arbeit verbunden, die Schwangere oder Menschen mit bestimmten Erkrankungen beispielsweise nicht ausüben können oder dürfen, kann man verstehen, wenn der Betrieb Auskünfte zur in Kürze anstehende Familienplanung oder zur Krankheitsgeschichte des Bewerbers erhalten möchte.

In solchen Fällen raten Experten durchaus zu einer ehrlichen Antwort, mahnen jedoch, nur wirklich relevante Informationen preiszugeben. Wagt sich der Gegenüber im Bewerbungsgespräch jedoch in die Privatsphäre vor und verlangt nach Auskünften, die mit der bevorstehenden Arbeit nichts zu tun haben und als Auswahlkriterium an Diskriminierung grenzen, darf man sich ruhig auf sein Recht berufen und die Antwort verweigern. Wichtig dabei ist der richtige Ton, denn eine hitzige Reaktion macht schnell alle Chancen auf die tatsächliche Einstellung zunichte.

Geschickt ausweichen: Intime Fragen im Vorstellungsgespräch

Am besten fragt man also erst einmal sanft und ohne Vorwurf nach, inwiefern diese bestimmte Frage für das zukünftige Arbeitsverhältnis relevant ist. Kann hier kein plausibler Grund genannt werden, wird die Frage wahrscheinlich von allein diskret zurückgezogen. Bei anderen Fragen ist es durchaus möglich, selektiv zu antworten und sich selbst ins rechte Licht zu rücken. So kann man bei der Frage nach den eigenen Hobbys jene herausstellen, die auf eine gesunde Lebensweise, besondere Kreativität oder Teamfähigkeit hinweisen, während man alles Unvorteilhafte – wie Sportarten mit hoher Verletzungsgefahr – schlicht ausspart.

Manche Fragen sind einfach darauf angelegt, den Bewerber zu provozieren, seine Geduld und Stressanfälligkeit zu testen. Daher sollte man immer besonnen und diplomatisch reagieren, aber trotzdem mit Bestimmtheit eine Frage ablehnen, die offenkundig unangebracht ist. Darauf angesprochen darf und sollte man Schwächen durchaus zugeben, jedoch ohne in Selbstmitleid zu verfallen oder sich selbst anzuklagen. Sämtliche Antworten sollten außerdem möglichst präzise und kurz gehalten werden, so verstrickt man sich weniger leicht in selbst gebaute Fallen. Und schließlich heißt es vor allem: Selbstbewusstsein bewahren! Nur wer auf sich selbst vertraut, kann dies auch nach außen hin demonstrieren und einen potenziellen Arbeitgeber von sich überzeugen.

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