Viele Studenten gehen für ein oder zwei Semester ihres Studiums ins Ausland. Um Erfahrungen zu sammeln, eine andere Sprache zu lernen, dem Alltag zu entfliehen und neue Leute kennen zu lernen. Psychologen fanden jetzt sogar heraus, dass ein Auslandsaufenthalt die Persönlichkeit zum Positiven verändert.

Das „Big-Five“-Modell

Demnach sind Studenten mit Erfahrungen im Ausland offener für neue Erfahrungen und emotional stabiler als ihre Mitmenschen, die nicht in anderen Ländern studieren. Zwei Psychologen der Universität Jena, Zimmermann und Neyer, haben eine Längsschnittstudie durchgeführt, dabei orientierten sie sich an „Big Five“- dem Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeitspsychologie. Sie untersuchten Persönlichkeitsveränderungen der Studenten mit Hilfe der Kategorien (emotionale) Labilität bzw. Stabilität, Geselligkeit, Offenheit, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit.

Studie vergleicht Auslandsstudenten und Inlandsstudenten

Knapp 530 Studenten wurden innerhalb von 8 Monaten untersucht, von denen sie mindestens fünf Monate im Ausland waren. Als Vergleich nahmen weitere 600 Studenten an der Studie teil, die in Deutschland blieben. Die Teilnehmer wurden dann vor dem Auslandsaufenthalt, nach fünf Monaten und nach 8 Monaten online befragt. Sie mussten ihre Persönlichkeitseigenschaften selbst einschätzen und soziale Beziehungen aufzählen – die sie gewonnen oder verloren hatten. Die Antworten wurden nach den drei Befragungen verglichen.

Wer gesellig ist, geht eher ins Ausland

Die Psychologen fanden mit Hilfe ihrer Studie heraus, dass junge Menschen besonders motiviert sind, ins Ausland zu gehen, wenn Eigenschaften wie Offenheit und Geselligkeit stark ausgeprägt sind. Aufgeschlossene Studenten gingen auffällig oft für acht Monate ins Ausland. Studienteilnehmer, die sich als sehr gewissenhaft einschätzten, blieben häufig kürzer. Zimmermann und Neyer, die die Studie durchführten, gehen davon aus, dass die gewissenhaften Studenten ihren Lebenslauf interessanter gestalten wollen – dafür reicht ein kurzer Auslandsaufenthalt aus. Egal wie lang die Studenten im Ausland waren: Die Befragungen ergaben, dass alle Studenten offener für neue Erfahrungen und emotional stabiler wurden – auch schon nach fünf Monaten. Gewissenhafter oder geselliger wurde hingegen keiner.

Die Studie zeigt, dass ein Auslandssemester keine Zeitverschwendung ist. Man gewinnt neue Erfahrungen und die Persönlichkeit entwickelt sich in vielen Aspekten weiter. Das hängt vor allem von den Menschen ab, mit denen man in dieser Zeit zusammen ist und von denjenigen, die man im Ausland kennen lernt. Reisen verändern uns als Mensch, und zwar sehr positiv.

Fotourheber: Robert Kneschke (Fotolia)

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