Immer mehr Arbeitsverträge werden heutzutage über eine Zeitarbeitsagentur geschlossen. Dabei gehen die Meinungen über Zeitarbeit weit auseinander. Während einige die Zeitarbeit als eine moderne Form der „Sklaverei“ bezeichnen, sehen andere darin eine, für die Arbeitnehmer, echte Chance auf eine Festanstellung.





Die Zeitarbeitsbranche boomt

Wenn man die aktuellen Berichte der Bundesagentur für Arbeit betrachtet, dann wird schnell klar, dass die Zeitarbeit mittlerweile eine feste Größe am deutschen Arbeitsmarkt ist. Lag die Zahl der Leiharbeitnehmer im Dezember 1980 noch bei 33.000, so waren es zehn Jahre später bereits 119.000. Zur großen Expansion bei der Zeitarbeit kam es dann im Rahmen der neuen Hartz IV-Gesetze. Die Anzahl der in der Zeitarbeit beschäftigten Personen explodierte und lag im Dezember 2010 bei 824.000 Arbeitnehmern. Gleichzeitig verdoppelt sich die Anzahl der Agenturen, die Menschen als Leiharbeitnehmer vermitteln. Die Zeitarbeit hat zudem einen wesentlichen Einfluss darauf, dass der Boom am deutschen Arbeitsmarkt trotz Finanzmarktkrise weiter anhält. So geht die Hälfte des Beschäftigungswachstums im Jahre 2010 auf die Zeitarbeit zurück.

Zeitarbeit führt nicht immer zur Festanstellung

Wie groß die Chance, von der Zeitarbeit in eine Festanstellung, zu wechseln tatsächlich sind, darüber gehen die Meinungen der Experten allerdings auseinander. Glaubt man den Angaben des Branchenverbandes BZA, so wechseln rund 30 Prozent aller, die als Leiharbeitnehmer bei einem Zeitarbeitsunternehmen beschäftigt waren in ein festes Anstellungsverhältnis über. Danach würden jedes Jahr etwa 200.000 Arbeitnehmer über die Zeitarbeit dauerhaft in den ersten Arbeitsmarkt integriert. Diese Zahlen werden jedoch von unabhängigen Experten bezweifelt. Sie werden von höchstens sieben Prozent übernommenen Leiharbeitern aus. Dabei läge die geringe Quote vor allem an den Vermittlungsprovisionen, die Unternehmen bei der Übergabe bezahlen müssen. Diese macht die Übernahme für die meisten Firmen unattraktiv.

Höhere Chancen für qualifizierte Arbeitnehmer

Allgemein bekannt ist, dass es in Deutschland einen hohen Mangel an Fachkräften gibt. Aus diesem Grund haben qualifizierte Mitarbeiter auch bei der Zeitarbeit die besten Chancen auf eine Übernahme. In den unteren Lohngruppen ist die Einsatzdauer für Leiharbeiter bei einem bestimmten Unternehmen eher gering. Aufgrund der häufigen Wechsel zu verschiedenen Unternehmen sinken dann auch die Chancen auf eine Übernahme in ein festes Anstellungsverhältnis. Wesentlich besser sieht es da für Fachkräfte aus dem Bereich der medizinischen Pflege aus. Hier wird eine überdurchschnittlich hohe Zahl der zunächst als Leiharbeitnehmer beschäftigten Mitarbeiter übernommen. Dies liegt natürlich in erster Linie daran, dass es mittlerweile sehr schwierig ist, Pflegepersonal zu bekommen. Die Arbeitgeber nutzen die Zeitarbeit deshalb in erster Linie dazu, einen Arbeitnehmer genauer kennenzulernen. Kann dieser mit seiner Arbeit überzeugen, steht einer Übernahme nichts im Wege.

Zeitarbeit: Chance für Langzeitarbeitslose

Auch wenn sich nicht für alle Arbeitnehmer die Hoffnung auf eine schnelle Übernahme erfüllt, bietet die Zeitarbeit doch für viele eine große Chance. Gerade Menschen, die bereits seit langer Zeit arbeitslos sind, erhalten durch die Zeitarbeit die Möglichkeit wieder eine Anstellung zu finden. So besteht die Chance, Praxiserfahrung zu sammeln und dadurch in absehbarer Zeit eine Festanstellung zu finden. Zudem ist die Zeitarbeit auch für Menschen, deren Lebenslauf gewisse Lücken aufweist und für ältere Arbeitnehmer eine Chance. Die Einstellungsbedingungen sind hier meist wesentlich niedriger als bei Stellen, die zur Festanstellung ausgeschrieben werden. Wer sich dann bewährt, hat zumindest eine realistische Chance auf eine feste Anstellung.

Bild gefunden bei: Oli_ok – Fotolia

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