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Mehr als nur Gehalt: Wie Sie als Fachkraft Zusatzleistungen aushandeln

Wo qualifizierte Leute fehlen, bieten Arbeitgeber oft mehr als das Gehalt. Hier lesen Sie, welche Extras es gibt, wie Sie Ihren Verhandlungsspielraum einschätzen und wann Sie sie am besten ansprechen.

Ein Arbeitsvertrag regelt längst nicht nur das Gehalt. In vielen Branchen sind qualifizierte Leute schwer zu finden. Dort entscheiden oft die Leistungen rund um das Gehalt, ob ein Bewerber zusagt oder absagt. Für Sie als Bewerberin oder Bewerber heißt das: Sie können mehr verhandeln, als Sie vielleicht denken. Sie müssen nur wissen, was möglich ist und wie Sie es ansprechen.

Warum Arbeitgeber heute mehr bieten

Bleibt eine Stelle monatelang unbesetzt, kostet das den Betrieb Geld. Aufträge bleiben liegen, das Team arbeitet am Limit, und im schlimmsten Fall kündigen weitere Kolleginnen und Kollegen. Deshalb strengen sich viele Unternehmen an, attraktiver als die Konkurrenz zu sein. Besonders gefragt sind Fachkräfte in diesen Bereichen:

  • Pflege, Erziehung und andere soziale Berufe
  • Handwerk, vor allem Gebäude- und Haustechnik
  • Technik, Ingenieurwesen und Informatik
  • Naturwissenschaftliche Berufe

Je knapper Ihr Profil auf dem Arbeitsmarkt ist, desto besser stehen Ihre Chancen. Manche Betriebe zahlen über Tarif. Andere setzen eher auf Extras, die das Arbeitsleben leichter machen.

Diese Zusatzleistungen sind verbreitet

Was ein Arbeitgeber anbieten kann, hängt von der Branche, der Größe des Betriebs und der Art der Tätigkeit ab. Ein Überblick über häufige Angebote:

BereichBeispiele
Zeit und FlexibilitätGleitzeit, mobiles Arbeiten, zusätzliche Urlaubstage, Auszeit über ein Langzeitkonto
FamilieZuschuss zur Kinderbetreuung, Plätze in Kooperationskitas, Hilfe in den Ferien
AbsicherungBetriebliche Altersvorsorge, Zusatzversicherungen, Gesundheitsangebote
MobilitätZuschuss zum Nahverkehr, Dienstrad, Stellplatz, Dienstwagen
EntwicklungBezahlte Weiterbildung, Lehrgänge, Freistellung für Prüfungen
Ausstattung und BonusDiensthandy, Laptop, erfolgsabhängige Prämien

Viele Beschäftigte schätzen Zeit inzwischen mehr als Geld. Ein zusätzlicher freier Tag oder ein fester Homeoffice-Tag kann im Alltag mehr bringen als eine kleine Gehaltserhöhung, von der nach Steuern wenig übrig bleibt. Manche Leistungen werden zudem steuerlich gefördert. Wie das im Einzelfall aussieht, klären Sie am besten mit der Personalabteilung oder einer Steuerberatung.

Schätzen Sie Ihren Spielraum realistisch ein

Bevor Sie verhandeln, sollten Sie wissen, wie stark Ihre Position ist. Diese Fragen helfen dabei:

  • Wie lange ist die Stelle schon ausgeschrieben? Wird sie immer wieder neu veröffentlicht?
  • Gibt es in Ihrer Region viele Betriebe, die ähnliche Leute suchen?
  • Bringen Sie Qualifikationen mit, die selten sind, etwa Zusatzausbildungen, Zertifikate oder Spezialwissen?
  • Was erzählen Bekannte, die in der Branche oder sogar im Unternehmen arbeiten?

Bewertungsportale für Arbeitgeber und Gespräche auf Messen können ebenfalls helfen. Je mehr Sie wissen, desto besser können Sie Ihre Wünsche begründen und desto weniger wirken Sie wie ein Bittsteller.

Der richtige Zeitpunkt für Ihre Wünsche

Nur wenige Firmen schreiben ihre Extras offen in die Stellenanzeige. Vieles erfahren Sie nur, wenn Sie danach fragen. Wann Sie das tun, macht einen Unterschied:

  1. Im ersten Gespräch geht es vor allem um Aufgaben und darum, ob Sie zum Team passen. Fragen Sie hier eher allgemein nach Arbeitszeitmodellen oder Weiterbildung. Mit einem fertigen Wunschzettel sollten Sie noch nicht kommen.
  2. Wenn ein Angebot vorliegt, verschiebt sich das Kräfteverhältnis. Das Unternehmen will Sie haben. Jetzt ist der beste Moment, um konkret zu werden.
  3. Vor der Unterschrift sollte alles Vereinbarte schriftlich festgehalten sein. Mündliche Zusagen werden später leicht vergessen.

So führen Sie die Verhandlung

Sagen Sie bei einem Angebot nicht sofort zu. Bedanken Sie sich und bitten Sie um ein paar Tage Bedenkzeit. Das ist üblich und wird Ihnen kaum jemand übelnehmen. In dieser Zeit sollten Sie klären, was Ihnen wirklich wichtig ist und was Sie verlangen wollen.

Danach melden Sie sich, am besten telefonisch oder in einem kurzen Termin. Nennen Sie Ihren Wunsch klar und begründen Sie ihn mit Ihrer Erfahrung, Ihren Qualifikationen oder dem Marktumfeld. Es kommt gut an, wenn Sie Ihr Interesse an der Stelle betonen und gleichzeitig zeigen, dass Sie Ihren Wert kennen.

Wenn beim Gehalt nichts mehr geht

Oft gibt es feste Gehaltsbänder oder Tarifverträge, sodass beim Grundgehalt wenig Spielraum bleibt. Dann können Sie auf andere Leistungen ausweichen. Fragen Sie zum Beispiel nach einem Zuschuss zur Kinderbetreuung, mehr Urlaub, festen Homeoffice-Tagen oder einer bezahlten Fortbildung. Für den Arbeitgeber ist das oft leichter umzusetzen als eine Gehaltserhöhung, für Sie kann es viel wert sein.

Wissen, wann Schluss ist

Verhandeln heißt nicht, alles durchzusetzen. Wenn Ihr Gegenüber deutlich sagt, dass das Angebot steht, können Sie trotzdem zusagen. Ihr Gesicht verlieren Sie damit nicht. Sie haben gezeigt, dass Sie sich gut vorbereitet haben, und genau das schätzen viele Vorgesetzte.

Häufige Fragen

Wirkt es unverschämt, nach Extras zu fragen?

Nein. Wenn Sie freundlich und gut begründet fragen, wirkt das professionell. Personalverantwortliche rechnen meist damit, dass Bewerber verhandeln.

Können auch Berufseinsteiger Zusatzleistungen verhandeln?

Ja, vor allem in gefragten Fachrichtungen. Flexible Arbeitszeiten, Altersvorsorge oder Weiterbildung bekommen auch Absolventen häufig angeboten.

Was ist wichtiger: mehr Gehalt oder mehr Extras?

Das hängt von Ihrer Lebenssituation ab. Wer kleine Kinder hat, profitiert vielleicht mehr von Betreuung oder flexiblen Zeiten. Wer für später vorsorgen möchte, achtet eher auf die Altersvorsorge.

Sollte ich Zusagen schriftlich festhalten?

Unbedingt. Alles, was Sie vereinbart haben, gehört in den Arbeitsvertrag oder in eine schriftliche Zusatzvereinbarung. Nur dann können Sie sich später darauf berufen.