Die Karriereleiter

Die ersten Schritte zum Erfolg

Ratgeber

Jobsharing: Wie Sie sich eine Stelle erfolgreich teilen

Zwei Fachkräfte, eine Position: Jobsharing verbindet reduzierte Arbeitszeit mit echter Verantwortung. Was ein Tandem braucht, wie Sie es Ihrem Arbeitgeber vorschlagen und welche Stolpersteine Sie kennen sollten.

Zwei zusammengeschobene Schreibtische im Büro, eine Frau arbeitet von hinten gesehen

Weniger arbeiten, ohne auf anspruchsvolle Aufgaben zu verzichten – dieser Wunsch begleitet viele Beschäftigte, etwa nach einer Familienpause, neben einer Weiterbildung oder in den Jahren vor dem Ruhestand. Klassische Teilzeit bedeutet allerdings oft, dass verantwortungsvolle Projekte an andere gehen. Jobsharing bietet hier einen Mittelweg: Zwei Menschen übernehmen gemeinsam eine Stelle und tragen die Verantwortung zusammen. Obwohl das Modell überzeugende Vorteile hat, ist es in vielen Betrieben noch die Ausnahme. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Jobsharing funktioniert, worauf es ankommt und wie Sie den Einstieg schaffen.

Was Jobsharing von gewöhnlicher Teilzeit unterscheidet

Bei normaler Teilzeit wird eine Aufgabe in der Regel verkleinert oder aufgeteilt, bis sie in die reduzierte Stundenzahl passt. Beim Jobsharing bleibt die Position in ihrem vollen Umfang bestehen – sie wird nur von zwei Personen ausgefüllt. Das hat Folgen für den Arbeitsalltag:

  • Gemeinsame Verantwortung: Beide stehen für die Ergebnisse der gesamten Stelle ein, nicht nur für ihren Teil.
  • Durchgehende Erreichbarkeit: Für Team, Kundschaft und Vorgesetzte gibt es fast immer eine Ansprechperson.
  • Auch für Führungsrollen geeignet: Gerade Leitungspositionen, die sich schwer verkleinern lassen, können so in reduzierter Arbeitszeit besetzt werden.

Welche Modelle es gibt

Jobsharing ist kein starres Konzept. Je nach Aufgabe und Betrieb haben sich unterschiedliche Formen bewährt:

Gleichmäßige Aufteilung

Beide arbeiten etwa gleich viele Stunden und übernehmen sämtliche Aufgaben im Wechsel. Das setzt voraus, dass beide fachlich austauschbar sind.

Aufteilung nach Schwerpunkten

Jede Person verantwortet bestimmte Bereiche, etwa Personalfragen auf der einen und Budget oder Projekte auf der anderen Seite. Grundsatzentscheidungen fallen gemeinsam.

Doppelspitze

Zwei Führungskräfte leiten gleichberechtigt einen Bereich. Manchmal arbeiten beide sogar nahezu in Vollzeit, um eine große Aufgabe breiter aufzustellen.

Überlappende Arbeitszeiten

Viele Tandems planen bewusst gemeinsame Stunden ein, damit Informationen sauber weitergegeben werden. Das kostet den Arbeitgeber etwas mehr Arbeitszeit, verhindert aber Reibungsverluste.

Der richtige Partner entscheidet

Ob ein Tandem trägt, hängt weniger von der Organisation ab als von der Zusammenarbeit der beiden Beteiligten. Freundschaft ist dafür nicht nötig, wohl aber eine verlässliche Basis. Prüfen Sie bei einer möglichen Partnerin oder einem möglichen Partner vor allem diese Punkte:

  • Arbeitsstil: Wie gründlich wird dokumentiert? Wie werden Prioritäten gesetzt?
  • Kommunikation: Bevorzugen Sie beide kurze Absprachen oder ausführliche Abstimmungen?
  • Ziele und Anspruch: Haben Sie ähnliche Vorstellungen davon, was gute Arbeit ausmacht und wie viel Einsatz die Stelle verdient?
  • Vertrauen: Können Sie Entscheidungen der anderen Person mittragen, auch wenn Sie selbst anders entschieden hätten?

Unterschiedliche Temperamente sind dabei kein Nachteil. Wer eher zügig entscheidet, profitiert von jemandem, der Risiken sorgfältig abwägt – und umgekehrt. Wichtig ist nur, dass beide diese Unterschiede kennen und schätzen.

Am einfachsten finden sich Tandems im eigenen Umfeld, etwa unter Kolleginnen und Kollegen, die bereits zusammengearbeitet haben. Einige größere Unternehmen betreiben inzwischen interne Plattformen, über die sich Interessierte mit passenden Profilen finden können. Fragen Sie in Ihrer Personalabteilung nach, ob es ein solches Angebot gibt.

So überzeugen Sie Ihren Arbeitgeber

Nicht jede Führungskraft steht dem Modell sofort offen gegenüber. Häufig herrscht noch die Vorstellung, Verantwortung sei an lange Präsenzzeiten gebunden. Mit einem durchdachten Vorschlag erhöhen Sie Ihre Chancen deutlich:

  1. Gemeinsam auftreten: Stellen Sie das Konzept als Tandem vor, nicht als Einzelperson mit Teilzeitwunsch.
  2. Nutzen betonen: Zwei Köpfe bringen mehr Erfahrung, bessere Vertretung bei Urlaub oder Krankheit und oft eine höhere Entscheidungsqualität.
  3. Ablauf konkret beschreiben: Wer arbeitet wann? Wie läuft die Übergabe? Wer entscheidet, wenn Sie uneins sind?
  4. Probephase anbieten: Ein zeitlich begrenzter Testlauf mit anschließender Auswertung senkt die Hürde für Ihren Arbeitgeber.

Sprechen Sie Mehrkosten offen an. Zwei Arbeitsverhältnisse verursachen in der Regel etwas höheren Verwaltungs- und Abstimmungsaufwand. Dem stehen geringere Ausfallrisiken und eine stärkere Bindung qualifizierter Fachkräfte gegenüber.

Absprachen, die Sie schriftlich festhalten sollten

Damit das Tandem auch in schwierigen Phasen stabil bleibt, sollten einige Fragen von Beginn an geklärt sein:

  • Verteilung der Arbeitszeit und Regelung von Mehrarbeit
  • Vertretung bei Urlaub und Krankheit
  • Form und Rhythmus der Übergaben, etwa ein gemeinsames Dokument oder ein fester Abstimmungstermin
  • Gemeinsame oder getrennte Zielvereinbarungen und Leistungsbeurteilung
  • Vorgehen, wenn eine Person das Tandem verlässt

Gerade der letzte Punkt wird oft vergessen. Klären Sie frühzeitig, ob die verbleibende Person die Stelle vorübergehend allein übernimmt, ob ein neuer Partner gesucht wird oder ob eine Rückkehr in die frühere Arbeitszeit möglich ist.

Häufige Fragen

Habe ich einen Anspruch auf Jobsharing?

Einen allgemeinen Anspruch auf eine geteilte Stelle gibt es nicht. Ob und wie Jobsharing möglich ist, hängt von Ihrem Arbeitgeber, betrieblichen Vereinbarungen und gegebenenfalls dem Tarifvertrag ab. Fragen Sie im Zweifel bei der Personalabteilung oder dem Betriebsrat nach.

Wie wirkt sich Jobsharing auf mein Gehalt aus?

Ihr Gehalt richtet sich in der Regel nach Ihrem Stundenanteil an der Stelle. Die Eingruppierung bleibt meist die der vollen Position – ein Vorteil gegenüber Teilzeitstellen mit reduziertem Aufgabenzuschnitt.

Bremst Jobsharing die Karriere?

Nicht zwangsläufig. Da Sie weiterhin eine vollwertige Position ausfüllen, bleiben Sie sichtbar und sammeln Führungserfahrung. Wichtig ist, dass Ihre Leistung auch einzeln wahrgenommen wird, etwa durch klar zugeordnete Projekte.

Was passiert bei Konflikten im Tandem?

Legen Sie vorab fest, wie Sie mit Meinungsverschiedenheiten umgehen – etwa durch ein klärendes Gespräch innerhalb eines festen Zeitraums oder die Einbindung der vorgesetzten Person. Regelmäßige offene Rückmeldungen beugen Spannungen vor.