Betriebsbedingte Kündigung in der Elternzeit: Welche Hürden Arbeitgeber nehmen müssen
Wer in Elternzeit ist, genießt einen besonders starken Kündigungsschutz. Selbst wenn ein Betrieb schließt, muss der Arbeitgeber genau prüfen, ob es nicht doch eine Weiterbeschäftigung geben kann, auch mit Blick auf die Zeit bis zur Rückkehr.
Die Elternzeit soll Ihnen den Rücken frei halten für die Familie. Umso größer ist der Schreck, wenn mitten in dieser Phase ein Brief vom Arbeitgeber kommt: Die Abteilung wird aufgelöst, der Standort geschlossen, Ihre Stelle fällt weg. Viele Eltern fragen sich dann, ob eine solche Kündigung überhaupt zulässig ist. Die kurze Antwort: nur unter sehr strengen Voraussetzungen. Wer die Regeln kennt, kann gelassener reagieren und seine Rechte gezielt wahrnehmen.
Grundsatz: Während der Elternzeit gilt ein Kündigungsverbot
Das Gesetz schützt Mütter und Väter in Elternzeit besonders. Der Arbeitgeber darf das Arbeitsverhältnis in dieser Zeit grundsätzlich nicht kündigen. Der Schutz setzt bereits ein, wenn Sie die Elternzeit verlangt haben, allerdings frühestens eine bestimmte Anzahl von Wochen vor deren Beginn. Er gilt auch dann, wenn Sie während der Elternzeit in Teilzeit beim selben Arbeitgeber weiterarbeiten.
Dieses Verbot ist kein bloßer Zusatz zum allgemeinen Kündigungsschutz, sondern eine eigene Hürde. Es greift unabhängig davon, wie lange Sie schon im Unternehmen sind oder wie groß der Betrieb ist.
Die Ausnahme: Zustimmung der Behörde
Nur in besonderen Fällen kann eine Kündigung ausnahmsweise für zulässig erklärt werden. Dafür muss der Arbeitgeber vorher die Zustimmung der zuständigen Landesbehörde für Arbeitsschutz einholen. Ohne diese Erlaubnis ist eine Kündigung von vornherein unwirksam.
Typische Situationen, in denen die Behörde eine Ausnahme erwägt, sind etwa:
- die vollständige Stilllegung eines Betriebs oder einer Betriebsabteilung,
- eine Verlagerung, bei der eine Weiterbeschäftigung tatsächlich ausgeschlossen ist,
- eine existenzbedrohende wirtschaftliche Lage des Unternehmens,
- schwere Pflichtverletzungen der beschäftigten Person.
Wichtig: Die Zustimmung der Behörde ist nur die erste Hürde. Sie ersetzt nicht die Prüfung, ob die Kündigung auch arbeitsrechtlich wirksam ist.
Was der Arbeitgeber zusätzlich prüfen muss
Bei einer betriebsbedingten Kündigung muss der Arbeitgeber zeigen, dass Ihr Arbeitsplatz dauerhaft wegfällt und es keine andere zumutbare Beschäftigung für Sie gibt. Gerade in der Elternzeit wird dieser Punkt oft unterschätzt.
Andere Standorte und Betriebe
Schließt nur eine Filiale oder ein Werk, endet die Prüfung nicht an dessen Toren. Gehören weitere Betriebe zum Unternehmen, muss der Arbeitgeber untersuchen, ob Sie dort eingesetzt werden könnten. Das gilt auch dann, wenn dafür eine Einarbeitung oder geänderte Arbeitsbedingungen nötig wären.
Der Blick nach vorn bis zum Ende der Elternzeit
Entscheidend ist nicht allein, ob am Tag der Kündigung irgendwo eine Stelle frei ist. Da Sie ohnehin erst nach der Elternzeit zurückkehren, kommt es darauf an, ob bis dahin eine passende Position frei werden kann. In Unternehmen mit regelmäßigem Personalwechsel ist das häufig nicht auszuschließen, denn Kolleginnen und Kollegen wechseln, gehen in Rente oder ziehen um. Kann der Arbeitgeber eine solche Entwicklung nicht sicher ausschließen, steht die Kündigung auf wackeligen Füßen. Im Zweifel bleibt ihm dann nur, das Ende der Elternzeit abzuwarten.
Sozialauswahl
Fallen nur einige von mehreren vergleichbaren Stellen weg, muss der Arbeitgeber zudem nach sozialen Gesichtspunkten auswählen, etwa nach Betriebszugehörigkeit, Lebensalter und Unterhaltspflichten. Kinder, für die Sie sorgen, spielen dabei eine Rolle.
So reagieren Sie auf eine Kündigung
Bewahren Sie Ruhe, aber handeln Sie zügig. Die Fristen im Kündigungsrecht sind kurz, in der Regel bleiben nur wenige Wochen für eine Klage.
- Datum notieren: Halten Sie fest, wann Ihnen die Kündigung zugegangen ist, und heben Sie den Umschlag auf.
- Behördenbescheid prüfen: Fragen Sie nach, ob eine Zustimmung der Behörde vorliegt, und lassen Sie sich diese zeigen. Auch gegen den Bescheid selbst kann ein Rechtsbehelf möglich sein.
- Unterlagen sammeln: Arbeitsvertrag, Antrag auf Elternzeit, Bestätigung des Arbeitgebers und Hinweise auf andere Standorte oder Stellenausschreibungen.
- Beratung einholen: Wenden Sie sich an eine Fachanwältin oder einen Fachanwalt für Arbeitsrecht, an Ihre Gewerkschaft oder den Betriebsrat.
- Nichts vorschnell unterschreiben: Aufhebungsverträge oder Abwicklungsvereinbarungen können Nachteile beim Arbeitslosengeld und bei Ihren Ansprüchen mit sich bringen.
Überblick: Die Hürden auf einen Blick
| Prüfschritt | Worum es geht |
|---|---|
| Behördliche Zustimmung | Ohne vorherige Erlaubnis ist die Kündigung unwirksam. |
| Wegfall des Arbeitsplatzes | Der Bedarf muss dauerhaft entfallen sein. |
| Weiterbeschäftigung | Auch andere Betriebe und künftig frei werdende Stellen zählen. |
| Sozialauswahl | Bei vergleichbaren Stellen müssen soziale Kriterien beachtet werden. |
| Form und Frist | Schriftform und korrekte Kündigungsfrist sind Pflicht. |
Häufige Fragen
Darf ich während der Elternzeit selbst kündigen?
Ja. Das Kündigungsverbot bindet nur den Arbeitgeber. Sie selbst können unter Einhaltung der geltenden Frist kündigen, sollten aber vorher die Folgen für Arbeitslosengeld und Elterngeld klären.
Bin ich auch geschützt, wenn ich in Teilzeit arbeite?
Ja, wenn Sie die Teilzeit während der Elternzeit bei Ihrem Arbeitgeber ausüben, gilt der besondere Schutz ebenfalls.
Was passiert, wenn die Behörde zugestimmt hat?
Dann ist die Kündigung nicht automatisch wirksam. Ein Arbeitsgericht kann trotzdem prüfen, ob der Arbeitgeber alle Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten ausgeschöpft und sozial richtig ausgewählt hat.
Habe ich Anspruch auf eine Abfindung?
Einen allgemeinen Anspruch gibt es nicht. Abfindungen ergeben sich häufig aus einem Sozialplan, einem Vergleich vor Gericht oder einer Verhandlung. Die Höhe hängt vom Einzelfall ab.


