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Ausbildungsbetrieb wechseln: So gelingt der Neustart ohne Abbruch

Wenn es im Ausbildungsbetrieb einfach nicht passt, muss das nicht das Ende der Ausbildung bedeuten. Wir zeigen, wie Sie den Wechsel in einen neuen Betrieb klug vorbereiten und typische Stolperfallen vermeiden.

Eine Ausbildung soll Ihnen ein solides Fundament für das Berufsleben geben. Doch nicht immer passt alles zusammen: Manchmal stimmt die Chemie im Team nicht, manchmal lernen Sie kaum etwas Neues, und manchmal werden Sie eher als günstige Hilfskraft eingesetzt denn als Nachwuchs, der ausgebildet werden soll. Wer in so einer Lage steckt, denkt schnell ans Aufhören. Dabei gibt es einen Mittelweg, der oft übersehen wird: Sie bleiben Ihrem Beruf treu und setzen die Ausbildung einfach in einem anderen Unternehmen fort. Damit dieser Schritt gelingt, sollten Sie strukturiert vorgehen.

Erst klären, dann wechseln

Bevor Sie über einen neuen Betrieb nachdenken, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die Ursachen Ihrer Unzufriedenheit. Fragen Sie sich:

  • Liegt das Problem an einzelnen Personen oder an der gesamten Ausbildungssituation?
  • Werden Ihnen Inhalte vorenthalten, die laut Ausbildungsplan vorgesehen sind?
  • Sind Arbeitszeiten, Pausen oder Überstunden ein Dauerthema?
  • Oder zweifeln Sie eher grundsätzlich am Beruf selbst?

Die letzte Frage ist besonders wichtig. Wenn Ihnen der Beruf an sich nicht liegt, hilft ein anderer Betrieb wenig. Geht es dagegen um die Bedingungen vor Ort, kann ein Wechsel die richtige Lösung sein.

Das Gespräch suchen und dokumentieren

Viele Konflikte lassen sich entschärfen, wenn sie offen angesprochen werden. Wenden Sie sich zuerst an Ihre Ausbilderin oder Ihren Ausbilder und schildern Sie sachlich, was Sie stört und was Sie sich wünschen. Gibt es im Unternehmen eine Jugend- und Auszubildendenvertretung oder einen Betriebsrat, sind auch diese gute Anlaufstellen.

Darüber hinaus bieten Ihnen externe Stellen Unterstützung, etwa:

  • die Ausbildungsberatung der zuständigen Kammer,
  • Gewerkschaften, insbesondere deren Jugendabteilungen,
  • die Berufsberatung der Agentur für Arbeit,
  • regionale Beratungsstellen für Auszubildende.

Halten Sie Gespräche und Vorfälle schriftlich fest: Datum, Inhalt, beteiligte Personen. Diese Notizen sind wertvoll, falls es später doch zu einer Trennung kommt und Sie nachweisen müssen, dass der Betrieb seinen Pflichten nicht nachgekommen ist.

Den neuen Platz sichern, bevor Sie gehen

Der wohl wichtigste Grundsatz: Kündigen Sie nicht ins Blaue hinein. Suchen Sie zuerst einen Betrieb, der Sie übernehmen möchte, und lassen Sie sich die Zusage möglichst schriftlich geben. Wer ohne Anschluss aussteigt, riskiert eine Lücke, die sich auf die Ausbildungsdauer auswirken kann, und gerät schnell unter Druck.

Bei der Suche helfen Ihnen Lehrstellenbörsen der Kammern, die Agentur für Arbeit und Ihr eigenes Netzwerk. Erklären Sie potenziellen neuen Arbeitgebern offen, warum Sie wechseln möchten – ohne über den bisherigen Betrieb herzuziehen. Sachliche Gründe wie fehlende Ausbildungsinhalte kommen gut an.

Die passenden Wege aus dem Vertrag

Wie Sie Ihren Ausbildungsvertrag beenden können, hängt vor allem davon ab, wann Sie sich zum Wechsel entschließen. Die folgende Übersicht zeigt die gängigen Möglichkeiten:

SituationMöglicher WegWorauf Sie achten sollten
Sie sind noch in der ProbezeitKündigung ohne BegründungSchriftlich kündigen und das Ende der Probezeit im Blick behalten
Probezeit vorbei, Betrieb verletzt seine PflichtenAußerordentliche KündigungHohe formale Anforderungen, kurze Fristen – unbedingt beraten lassen
Beide Seiten möchten sich trennenAufhebungsvertragAustrittsdatum gemeinsam festlegen, Inhalt vor Unterschrift prüfen lassen

Nach der Probezeit ist eine ordentliche Kündigung für Auszubildende in der Regel nur möglich, wenn sie die Ausbildung ganz aufgeben oder in einen anderen Beruf wechseln. Für einen reinen Betriebswechsel im selben Beruf reicht das nicht. Gründe für eine außerordentliche Kündigung können zum Beispiel ausbildungsfremde Daueraufgaben, fehlende Ausbildungsmittel, Verstöße gegen den Jugendarbeitsschutz, nicht vergütete Mehrarbeit, Diskriminierung oder Belästigung sein. Ein Aufhebungsvertrag ist oft der entspanntere Weg, weil er Streit vermeidet und einen sauberen Übergang ermöglicht.

Berufsschule und Kammer einbinden

Ein Betriebswechsel betrifft nicht nur Sie und Ihre beiden Arbeitgeber. Informieren Sie frühzeitig Ihre Berufsschule, damit Sie den Unterricht ohne Unterbrechung weiter besuchen können – idealerweise klären Sie vorab, ob eine kurze Übergangsphase ohne Vertrag geduldet wird. Auch die zuständige Kammer sollte Bescheid wissen, denn der neue Ausbildungsvertrag muss dort eingetragen werden.

Bisherige Leistungen mitnehmen

Damit Sie nicht von vorn beginnen müssen, sollten Sie Nachweise über Ihre bisherige Ausbildung sammeln:

  • vollständig geführte Ausbildungsnachweise,
  • Berufsschulzeugnisse,
  • ein Ausbildungszeugnis des bisherigen Betriebs,
  • gegebenenfalls Ergebnisse bereits abgelegter Prüfungsteile.

Ob und in welchem Umfang die bisherige Zeit angerechnet wird, vereinbaren Sie mit dem neuen Betrieb. Meist klappt eine nahtlose Fortsetzung gut, wenn die Unterlagen vollständig sind.

Häufige Fragen

Muss ich meinem Betrieb sagen, dass ich mich woanders bewerbe?

Nein, dazu sind Sie nicht verpflichtet. Bewerbungsgespräche sollten Sie allerdings außerhalb der Arbeitszeit legen oder dafür Urlaub nehmen.

Verlängert sich meine Ausbildung durch den Wechsel?

Nicht zwangsläufig. Wenn Sie ohne längere Pause wechseln und Ihre bisherigen Leistungen anerkannt werden, können Sie meist dort weitermachen, wo Sie aufgehört haben.

Kann ich eine außerordentliche Kündigung selbst schreiben?

Möglich ist es, empfehlenswert nicht. Formfehler oder versäumte Fristen können die Kündigung unwirksam machen. Lassen Sie sich von Kammer, Gewerkschaft oder einer Fachanwältin bzw. einem Fachanwalt beraten.

Was ist, wenn ich keinen neuen Betrieb finde?

Bleiben Sie zunächst im Vertrag und suchen Sie weiter. Parallel lohnt sich eine Beratung bei der Agentur für Arbeit, die Ihnen auch alternative Wege aufzeigen kann.