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Rechtliches

Arbeitgeber insolvent: Was mit Ihrem Gehalt und Ihrem Job passiert

Eine Firmenpleite bedeutet nicht automatisch, dass Ihr Lohn verloren ist oder Ihr Arbeitsvertrag endet. Wir zeigen, welche Absicherung es gibt, welche Fristen zählen und wie Sie sich rechtzeitig schützen.

Teilweise geräumtes Büro mit Kartons, ein Mitarbeiter trägt eine Kiste

Das Gehalt kommt später als sonst, Lieferanten stehen vor der Tür, in der Kaffeeküche wird getuschelt: Wenn ein Unternehmen in finanzielle Schieflage gerät, spüren Beschäftigte das oft zuerst. Die naheliegende Sorge lautet dann: Arbeite ich gerade umsonst? Die gute Nachricht vorweg: Das deutsche Recht lässt Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei einer Pleite nicht ohne Schutz. Wer seine Rechte und die wichtigsten Fristen kennt, kann auch in einer unsicheren Lage besonnen handeln.

Die wichtigste Absicherung: das Insolvenzgeld

Bleibt der Lohn wegen Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers aus, springt die Agentur für Arbeit ein. Das sogenannte Insolvenzgeld ersetzt das ausstehende Nettoentgelt für die drei Monate vor dem Insolvenzereignis – in der Regel ist das die Eröffnung des Insolvenzverfahrens oder dessen Abweisung mangels Masse.

Was Sie dazu wissen sollten:

  • Antrag stellen: Das Geld fließt nicht automatisch. Sie müssen es selbst bei der Agentur für Arbeit beantragen.
  • Frist beachten: Der Antrag ist innerhalb von zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis zu stellen. Wer diese Frist versäumt, riskiert, leer auszugehen.
  • Obergrenze: Die Höhe ist gedeckelt und orientiert sich an der Beitragsbemessungsgrenze. Bei sehr hohen Einkommen wird also nicht der volle Betrag ersetzt.
  • Sozialversicherung: Auch die Beiträge zur Sozialversicherung für diesen Zeitraum werden in der Regel übernommen.

Häufig sorgt ein vorläufiger Insolvenzverwalter dafür, dass das Insolvenzgeld über eine Bank vorfinanziert wird. Dann laufen die Zahlungen weitgehend normal weiter, obwohl das Unternehmen selbst nicht mehr zahlen kann.

Ihr Arbeitsvertrag gilt weiter

Ein verbreiteter Irrtum: Mit der Pleite sei der Job automatisch weg. Das stimmt nicht. Das Arbeitsverhältnis besteht fort, auch nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens. An die Stelle der Geschäftsführung tritt dann meist der Insolvenzverwalter, der die Arbeitgeberrolle übernimmt.

Für Sie bedeutet das: Sie sind weiter zur Arbeit verpflichtet – und haben weiter Anspruch auf Vergütung. Löhne für die Zeit nach der Verfahrenseröffnung werden bevorzugt aus der Insolvenzmasse beglichen. Ältere Rückstände, die das Insolvenzgeld nicht abdeckt, melden Sie als Forderung zur Insolvenztabelle an; hier ist allerdings oft nur eine geringe Quote zu erwarten.

Kündigung in der Insolvenz: leichter, aber nicht schrankenlos

Der Insolvenzverwalter hat es einfacher, Personal abzubauen. Die Kündigungsfrist ist in der Insolvenz auf höchstens drei Monate begrenzt, selbst wenn Ihr Vertrag oder Tarifvertrag eigentlich eine längere Frist vorsieht. Der Kündigungsschutz bleibt aber grundsätzlich bestehen:

  • Auch eine Kündigung durch den Insolvenzverwalter braucht einen tragfähigen Grund und muss eine korrekte Sozialauswahl berücksichtigen.
  • Gegen eine Kündigung können Sie mit einer Kündigungsschutzklage vorgehen – innerhalb von drei Wochen nach Zugang.
  • Besonderer Schutz etwa für Schwangere, Schwerbehinderte oder Betriebsratsmitglieder gilt weiterhin.

Ob sich eine Klage lohnt, sollten Sie mit einer Fachanwältin oder einem Fachanwalt für Arbeitsrecht besprechen. Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt dabei häufig die Kosten. Manchmal lässt sich im Verfahren zumindest eine Abfindung aushandeln.

Nicht jede Krise endet in der Schließung

Eine Insolvenz ist nicht gleichbedeutend mit dem Aus. Viele Verfahren zielen darauf ab, den Betrieb zu sanieren oder zu verkaufen. Möglich sind unter anderem:

  1. Fortführung: Der Insolvenzverwalter führt das Unternehmen weiter, um es zu stabilisieren.
  2. Übernahme: Ein Investor kauft den Betrieb oder Teile davon. Bei einem solchen Betriebsübergang gehen die Arbeitsverhältnisse grundsätzlich auf den neuen Inhaber über.
  3. Konzernstrukturen: Gehören Sie zu einer Gesellschaft innerhalb einer Unternehmensgruppe, ist womöglich nur ein Teil betroffen.

Deshalb gilt: Unterschreiben Sie nicht vorschnell einen Aufhebungsvertrag und kündigen Sie nicht überstürzt selbst. Damit verzichten Sie unter Umständen auf Rechte, die Ihnen sonst zustünden – und riskieren zusätzlich eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld.

So bereiten Sie sich vor, wenn es kriselt

Sobald sich Warnsignale häufen, lohnt es sich, aktiv zu werden:

  • Zwischenzeugnis anfordern: Solange Ihre Vorgesetzten noch im Haus sind, lässt sich ein aussagekräftiges Zeugnis viel leichter erstellen als später über einen Verwalter, der Sie nicht kennt.
  • Unterlagen sichern: Bewahren Sie Arbeitsvertrag, Gehaltsabrechnungen und Nachweise über Überstunden griffbereit auf.
  • Rückstände dokumentieren: Notieren Sie, wann welche Zahlungen ausgeblieben sind.
  • Informiert bleiben: Betriebsrat und Gewerkschaft sind wichtige Anlaufstellen und erhalten oft frühzeitig Informationen.
  • Optionen prüfen: Den Arbeitsmarkt im Blick zu behalten, ist kein Verrat, sondern vernünftige Vorsorge.

Häufige Fragen

Darf ich die Arbeit verweigern, wenn kein Gehalt kommt?

Bei erheblichen Rückständen kann ein Zurückbehaltungsrecht bestehen. Das ist rechtlich heikel und sollte nur nach vorheriger Beratung und schriftlicher Ankündigung genutzt werden, damit keine Abmahnung oder Kündigung droht.

Wird auch Urlaubs- oder Weihnachtsgeld ersetzt?

Zum Insolvenzgeld zählen grundsätzlich alle Bezüge aus dem Arbeitsverhältnis, die auf den geschützten Zeitraum entfallen. Einmalzahlungen werden daher nur anteilig oder je nach Fälligkeit berücksichtigt.

Was passiert mit meiner betrieblichen Altersversorgung?

Unverfallbare Anwartschaften sind in vielen Fällen über den Pensions-Sicherungs-Verein abgesichert. Welche Form Ihrer Altersvorsorge geschützt ist, hängt vom gewählten Durchführungsweg ab.

Muss ich mich sofort arbeitslos melden?

Erhalten Sie eine Kündigung, sollten Sie sich unverzüglich bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend melden – spätestens drei Tage nach Kenntnis, bei längerer Kündigungsfrist drei Monate vor dem Ende. Sonst drohen Nachteile beim Arbeitslosengeld.