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Altersteilzeit: So gelingt der gleitende Abschied aus dem Berufsleben

Altersteilzeit verspricht mehr Freiraum in den letzten Berufsjahren, kostet aber Einkommen und Rentenpunkte. Welche Modelle es gibt, wer infrage kommt und was Sie vor der Unterschrift durchrechnen sollten.

Älterer Mitarbeiter sortiert Unterlagen an einem Schreibtisch im Betrieb

Die letzten Jahre vor der Rente fühlen sich für viele Beschäftigte anders an als die Jahrzehnte davor. Die Kraft ist nicht mehr unbegrenzt, die Enkel wollen Zeit, und manches Projekt außerhalb des Büros wartet schon lange. Die Altersteilzeit bietet einen Weg, den Ausstieg schrittweise zu gestalten statt abrupt. Sie ist allerdings kein Geschenk, sondern ein Tausch: weniger Arbeit gegen weniger Geld, heute und später bei der Rente. Wer diesen Tausch bewusst eingeht, kann sehr davon profitieren.

Das Grundprinzip in wenigen Sätzen

Bei der Altersteilzeit halbieren Sie Ihre bisherige Arbeitszeit für einen vereinbarten Zeitraum, der in der Regel nahtlos in den Ruhestand übergeht. Ihr Arbeitgeber zahlt Ihnen das entsprechend reduzierte Gehalt und legt einen Aufstockungsbetrag obendrauf. Zusätzlich stockt er die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung auf, sodass die Lücke bei der späteren Rente kleiner ausfällt, als es die halbierte Arbeitszeit vermuten lässt.

Wichtig zu wissen: Der Aufstockungsbetrag ist grundsätzlich steuerfrei, unterliegt aber dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Er kann also den Steuersatz auf Ihr übriges Einkommen erhöhen. Planen Sie deshalb eine mögliche Nachzahlung beim Finanzamt ein.

Wer Altersteilzeit vereinbaren kann

Einige Bedingungen sind gesetzlich festgelegt, andere hängen von Ihrem Betrieb ab:

  • Mindestalter: Sie müssen das 55. Lebensjahr vollendet haben.
  • Vorbeschäftigung: In den Jahren vor Beginn müssen Sie über einen längeren Zeitraum sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben.
  • Kein Minijob: Auch nach der Halbierung muss Ihr Verdienst oberhalb der Geringfügigkeitsgrenze liegen. Teilzeitkräfte sind also nicht ausgeschlossen, sollten das aber vorab prüfen.
  • Zustimmung des Arbeitgebers: Ein allgemeiner gesetzlicher Anspruch besteht nicht. Ein Recht auf Altersteilzeit kann sich aber aus einem Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung ergeben.

Fragen Sie deshalb zuerst beim Betriebsrat oder in der Personalabteilung nach, ob es bei Ihnen verbindliche Regelungen gibt. Fehlen sie, bleibt nur das Verhandeln auf freiwilliger Basis.

Blockmodell oder gleichmäßige Verteilung?

Für die Verteilung der verbleibenden Arbeitszeit gibt es zwei grundsätzliche Varianten:

ModellSo funktioniert esPasst zu Ihnen, wenn …
Gleichmäßige VerteilungSie arbeiten über die gesamte Laufzeit mit halber Stundenzahl, etwa verkürzte Tage oder weniger Arbeitstage pro Woche.Sie sich einen echten Übergang mit mehr Erholung wünschen und den Kontakt zum Team halten möchten.
BlockmodellIn der ersten Hälfte arbeiten Sie weiter wie bisher, in der zweiten Hälfte sind Sie vollständig freigestellt. Das Gehalt fließt durchgehend in gleicher Höhe.Sie einen klaren Schlusspunkt bevorzugen und die Arbeitsphase gesundheitlich gut bewältigen können.

Das Blockmodell ist in der Praxis deutlich verbreiteter. Es hat aber einen Haken: In der Arbeitsphase arbeiten Sie gewissermaßen vor. Ihr Arbeitgeber ist verpflichtet, dieses angesparte Guthaben gegen eine Insolvenz abzusichern. Lassen Sie sich schriftlich bestätigen, wie das geschieht.

Was die Altersteilzeit Sie finanziell kostet

Bevor Sie sich auf das Modell einlassen, sollten Sie nüchtern rechnen. Betroffen sind zwei Bereiche:

Das laufende Einkommen

Trotz Aufstockung erreichen Sie in aller Regel nicht Ihr früheres Nettogehalt. Wie groß der Abstand ausfällt, hängt von der Höhe der Aufstockung ab. Das Gesetz schreibt nur ein Minimum vor, viele Tarifverträge und Arbeitgeber legen mehr drauf. Hier lohnt sich Verhandlungsgeschick.

Die spätere Rente

Da die Rentenbeiträge zwar aufgestockt, aber nicht auf das volle frühere Niveau angehoben werden, sammeln Sie weniger Rentenansprüche. Hinzu kommt eine wichtige Frage: Können Sie im direkten Anschluss eine Altersrente ohne Abschläge beziehen? Endet die Altersteilzeit zu früh, drohen dauerhafte Kürzungen. Eine Rentenauskunft und ein Beratungstermin bei der Deutschen Rentenversicherung oder einem zugelassenen Rentenberater schaffen hier Klarheit.

Diese Punkte gehören in den Vertrag

Die Altersteilzeit wird in einer eigenen schriftlichen Vereinbarung geregelt. Achten Sie besonders auf folgende Inhalte:

  1. Beginn und Ende sowie das gewählte Modell, abgestimmt auf Ihren frühestmöglichen abschlagsfreien Rentenbeginn.
  2. Höhe der Aufstockung beim Gehalt und bei den Rentenbeiträgen.
  3. Verteilung der Arbeitszeit bei gleichmäßiger Variante, etwa welche Tage oder Stunden Sie arbeiten.
  4. Insolvenzsicherung des Wertguthabens im Blockmodell.
  5. Regelungen für Störfälle, zum Beispiel bei langer Krankheit, Tod oder vorzeitiger Beendigung des Arbeitsverhältnisses.
  6. Betriebliche Zusatzleistungen wie Betriebsrente, Jubiläumsgeld oder Urlaubsansprüche.

Lassen Sie den Entwurf im Zweifel von einer Fachanwältin oder einem Fachanwalt für Arbeitsrecht oder von Ihrer Gewerkschaft prüfen. Einmal unterschrieben, lässt sich eine Altersteilzeitvereinbarung nur schwer wieder ändern.

Häufige Fragen

Kann mein Arbeitgeber die Altersteilzeit einfach ablehnen?

Ja, sofern kein Tarifvertrag und keine Betriebsvereinbarung einen Anspruch begründen. Dann ist die Altersteilzeit reine Verhandlungssache.

Was passiert, wenn ich im Blockmodell lange krank werde?

Längere Krankheit in der Arbeitsphase kann dazu führen, dass Sie Arbeitszeit nacharbeiten müssen oder sich die Freistellung verkürzt. Wie das genau geregelt ist, sollte im Vertrag festgehalten sein.

Darf ich während der Altersteilzeit nebenher arbeiten?

Ein Nebenjob ist nur in engen Grenzen möglich. Überschreiten Sie die Geringfügigkeitsgrenze, kann der Anspruch auf die Aufstockung entfallen. Sprechen Sie jede Nebentätigkeit vorher mit Ihrem Arbeitgeber ab.

Lohnt sich Altersteilzeit für Geringverdiener?

Das hängt stark vom Einzelfall ab. Je knapper das Budget, desto stärker fallen Einbußen bei Gehalt und Rente ins Gewicht. Eine individuelle Berechnung vor der Entscheidung ist hier besonders wichtig.