Cottbus/Berlin – Ein Job am Schreibtisch, das wäre nichts für Alexander Seiffert. Er will am liebsten an der frischen Luft arbeiten, sich bewegen und seine Arbeit möglichst frei einteilen.

«Deshalb habe ich nach acht Jahren bei der Bundeswehr eine Ausbildung zur Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen begonnen», erzählt der 26-Jährige aus Cottbus.

Freunde hatten ihn auf die guten Jobchancen als Brief- und Paketzusteller aufmerksam gemacht. Mittlerweile ist auch Alexander Seiffert davon überzeugt, dass er in einer Zukunftsbranche arbeitet: «Wir haben alle Hände voll zu tun, fast jeder bestellt im Internet und ich glaube, das wird sich so schnell nicht ändern.»

Schon bald wird er die beiden Ausbildungsjahre bei der Deutschen Post DHL Group in Cottbus abschließen – in wenigen Monaten ist die Abschlussprüfung. Im Anschluss will er noch ein weiteres Jahr kaufmännische Ausbildung anschließen.

Spaß am Umgang mit Menschen

Auch die Zahlen des Bundesverbandes Paket & Express Logistik (BIEK) zeigen: Fachkräfte für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen sind gefragt. Die sogenannte KEP-Branche beschäftigt 238.600 Menschen und schafft jährlich 10.000 neue Jobs, so Marten Bosselmann, Vorstand des BIEK. «KEP» steht für Kurier, Express und Paket.

«Unsere Mitgliedsunternehmen sind permanent auf der Suche nach neuen Talenten», sagt Bosselmann. «Der ideale Zusteller ist dynamisch, zuverlässig, technikbegeistert und kommunikativ.» Bewerberinnen und Bewerber sollten Freude im Umgang mit Kunden haben sowie organisiert und selbstständig arbeiten.

Auch Motivation und Fleiß sind gerne gesehen. Zudem ist es für Fachkräfte in der KEP-Branche von Vorteil, einen Führerschein zu besitzen. Eine offizielle Voraussetzung ist es aber nicht. Viele Arbeitgeber unterstützen Personen beim Erwerb des Führerscheins, wenn sie sich etwa auf den Paketservice spezialisieren wollen.

Schnell und effizient muss es gehen

Auch schnelles und effizientes Arbeiten ist bei diesem Beruf wichtig: Alexander Seiffert ist während seiner Ausbildung darin Profi geworden. Im Zustellstützpunkt sortiert er Briefe, Einschreiben, kleine Päckchen und Nachnahmesendungen vor – damit es draußen beim Ausliefern schneller geht. Im Anschluss fährt er mit dem E-Bike in die Innenstadt oder mit dem Auto ins Cottbusser Umland.

Aber er verteilt nicht nur Briefe, sondern liefert auch Pakete und Päckchen aus. Bei der so genannten Verbund-Zustellung in ländlichen Gebieten übernimmt er zudem den Post-Service – das bedeutet, er verkauft Briefmarken und nimmt Päckchen wieder mit.

«Ich bin praktisch mein eigener Chef», sagt der 26-Jährige. Das verlange selbstständiges Arbeiten, Zuverlässigkeit und ein hohes Verantwortungsgefühl – «und genau das macht Spaß». Weniger spaßig sind an manchen Tagen die Witterungsbedingungen. Alexander Seifert ist dem Wetter ausgeliefert, das verlangt eine gewisse Robustheit.

Schwere Pakete, schlechte Laune

Das trifft auch in anderen Bereichen des Berufes zu – etwa wenn Zusteller im Arbeitsalltag auf schlecht gelaunte Kunden treffen. «In diesen Momenten mache ich mir klar, dass jemand vielleicht einen schlechten Tag hatte. Ich nehme das nicht persönlich», erzählt Alexander Seiffert. Zum Glück gebe es auch immer wieder nette Leute, «die freundliche Worte finden oder uns mit Süßigkeiten motivieren.» Das käme öfters vor Weihnachten vor, wenn die Arbeitslast hoch ist.

Den Eindruck, dass die Arbeitstage von Fachkräften für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen anstrengend sind, bestätigt auch Mattias Persson von der Deutschen Post DHL Group: «Ein Paket darf bis zu 31,5 Kilogramm wiegen und egal wie sperrig es ist, muss es abgeliefert werden – auch im fünften Stock Altbau ohne Aufzug.»

840 Euro für Paketzusteller

Um die Arbeitsbedingungen zu erleichtern und die Auslieferung zu optimieren, setzt die Branche unter anderem auf Digitalisierung. Dem Fachkräftemangel begegnet sie zudem, «durch permanente Schulungen und die Zuhilfenahme digitaler Unterstützung», erklärt Marten Bosselmann.

Nach Angaben der Deutschen Post AG erhalten Azubis im ersten Ausbildungsjahr 840 Euro, dann steigt die Vergütung auf 920 Euro brutto pro Monat an. Da es sich um eine duale Ausbildung handelt, besuchen die Azubis auch die Berufsschule.

Je nach Region findet die Theorie wöchentlich oder im Blockunterricht statt. Im Unterricht geht es um allgemeinbildende Fächer wie Deutsch, Wirtschaftskunde und Sozialkunde, aber auch um Zahlungsvorgänge und Kundenkontakt.

Fotocredits: Klaus-Dietmar Gabbert,Klaus-Dietmar Gabbert,Klaus-Dietmar Gabbert,Klaus-Dietmar Gabbert,Klaus-Dietmar Gabbert,Klaus-Dietmar Gabbert,Klaus-Dietmar Gabbert,Klaus-Dietmar Gabbert,Klaus-Dietmar Gabbert,Klaus-Dietmar Gabbert,Klaus-Dietmar Gabbert
(dpa/tmn)

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