Nach der Ausbildung übernommen: Gilt im selben Betrieb noch einmal eine Probezeit?
Wer nach der Ausbildung im eigenen Betrieb weiterarbeitet, findet im neuen Arbeitsvertrag oft wieder eine Probezeit. Wir erklären, was diese Klausel tatsächlich bewirkt und warum Ihr Kündigungsschutz davon meist unberührt bleibt.
Die Abschlussprüfung ist bestanden, und Ihr Ausbildungsbetrieb möchte Sie behalten – ein schöner Moment. Beim Lesen des neuen Arbeitsvertrags stoßen viele frisch ausgelernte Fachkräfte dann allerdings auf eine Klausel, die sie stutzig macht: eine Probezeit. Schließlich kennt man sich doch längst. Ist das überhaupt zulässig? Und vor allem: Können Sie in dieser Zeit ohne Weiteres wieder vor die Tür gesetzt werden? Die gute Nachricht vorweg: Die Klausel klingt meist bedrohlicher, als sie ist.
Zwei Dinge, die oft verwechselt werden: Probezeit und Kündigungsschutz
Im Alltag werden Probezeit und fehlender Kündigungsschutz gern in einen Topf geworfen. Rechtlich handelt es sich jedoch um zwei getrennte Fragen:
- Die Probezeit wird im Vertrag vereinbart. Sie darf höchstens sechs Monate dauern und bewirkt vor allem eines: Beide Seiten können das Arbeitsverhältnis mit einer verkürzten Frist von zwei Wochen beenden, sofern kein Tarifvertrag etwas anderes regelt.
- Der allgemeine Kündigungsschutz nach dem Kündigungsschutzgesetz greift dagegen automatisch, wenn das Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate bestanden hat und der Betrieb eine bestimmte Mindestgröße erreicht. Dann braucht der Arbeitgeber für eine Kündigung einen sachlichen Grund – etwa betriebliche, personen- oder verhaltensbedingte Gründe.
Die Probezeit betrifft also in erster Linie die Länge der Kündigungsfrist, der Kündigungsschutz dagegen die Frage, ob überhaupt ein Grund für die Kündigung nötig ist.
Darf der Betrieb nach der Ausbildung erneut eine Probezeit vereinbaren?
Grundsätzlich ja. Ausbildung und Arbeitsverhältnis sind zwei unterschiedliche Vertragsverhältnisse. Als Auszubildende haben Sie gelernt, nun arbeiten Sie als vollwertige Fachkraft mit anderen Aufgaben, mehr Verantwortung und häufig einem anderen Team. Arbeitgeber dürfen daher in der Regel auch für diesen neuen Abschnitt eine Probezeit vorsehen.
Gerichte sehen das allerdings nicht in jedem Fall gleich. Arbeiten Sie nach der Ausbildung in exakt demselben Bereich mit denselben Tätigkeiten weiter, kann man durchaus fragen, was es noch zu erproben gibt. Für Ihre Praxis ist diese Frage aber meist zweitrangig – aus dem Grund, den der nächste Abschnitt erklärt.
Warum Ihre Ausbildungsjahre beim Kündigungsschutz mitzählen
Für die sechsmonatige Wartezeit des Kündigungsschutzgesetzes kommt es darauf an, wie lange Sie ohne Unterbrechung im selben Unternehmen beschäftigt sind. Die Zeit der Ausbildung wird dabei angerechnet, wenn das Arbeitsverhältnis sich nahtlos anschließt. Wer zwei, drei oder dreieinhalb Jahre gelernt hat, erfüllt diese Wartezeit also längst.
Die Folge: Auch wenn im Vertrag eine neue Probezeit steht, kann Ihr Arbeitgeber Ihnen nicht einfach ohne Begründung kündigen – vorausgesetzt, Ihr Betrieb fällt wegen seiner Größe unter das Kündigungsschutzgesetz. Die Probezeit verkürzt dann allenfalls die Kündigungsfrist, ersetzt aber nicht den erforderlichen Kündigungsgrund.
Wann der Schutz nicht greift
- Kleinbetriebe: In sehr kleinen Betrieben gilt das Kündigungsschutzgesetz nicht. Dort ist eine Kündigung auch ohne besonderen Grund möglich – unabhängig davon, wie lange Sie schon dabei sind.
- Unterbrechungen: Liegt zwischen Ausbildungsende und neuem Vertrag eine längere Pause, kann die Anrechnung entfallen.
- Anderes Unternehmen: Wechseln Sie nach der Ausbildung zu einem anderen Arbeitgeber, beginnt die Wartezeit dort von vorn.
Was Sie vor der Unterschrift prüfen sollten
Bevor Sie den neuen Vertrag unterschreiben, lohnt ein genauer Blick auf einige Punkte:
- Befristung oder unbefristet? Viele Übernahmen erfolgen zunächst befristet. Prüfen Sie, ob ein Enddatum genannt ist und ob es dafür einen Grund gibt.
- Tarifvertrag: In manchen Branchen regeln Tarifverträge die Übernahme von Ausgelernten, mögliche Probezeiten oder abweichende Kündigungsfristen. Fragen Sie im Personalbüro oder beim Betriebsrat nach.
- Nahtloser Übergang: Achten Sie darauf, dass das Arbeitsverhältnis direkt im Anschluss an die Ausbildung beginnt.
- Tätigkeit und Vergütung: Stimmen Aufgabenbeschreibung, Arbeitszeit und Gehalt mit dem überein, was mündlich besprochen wurde?
Wenn Sie einfach weiterarbeiten
Nicht immer wird rechtzeitig ein neuer Vertrag aufgesetzt. Arbeiten Sie nach bestandener Prüfung einfach weiter, ohne dass etwas anderes ausdrücklich vereinbart wurde, entsteht in der Regel automatisch ein unbefristetes Arbeitsverhältnis. Eine Probezeit kann der Arbeitgeber dann nicht nachträglich einseitig festlegen. Trotzdem ist es sinnvoll, die Bedingungen zeitnah schriftlich festzuhalten – das schafft Klarheit für beide Seiten.
Erhalten Sie dennoch eine Kündigung, sollten Sie schnell handeln: Gegen eine Kündigung kann nur innerhalb einer kurzen Frist Klage beim Arbeitsgericht erhoben werden. Lassen Sie sich frühzeitig beraten, etwa durch eine Fachanwältin oder einen Fachanwalt für Arbeitsrecht, Ihre Gewerkschaft oder den Betriebsrat.
Häufige Fragen
Muss ich eine erneute Probezeit im Vertrag akzeptieren?
Sie können darüber verhandeln, gerade wenn Sie im selben Aufgabenbereich bleiben. Rechtlich unzulässig ist die Klausel aber in den meisten Fällen nicht. Da Ihr Kündigungsschutz meist ohnehin besteht, ist sie selten ein Grund, die Übernahme abzulehnen.
Wie lange darf die Probezeit höchstens dauern?
Höchstens sechs Monate. Kürzere Zeiträume sind jederzeit möglich, Tarifverträge können außerdem eigene Regeln enthalten.
Gilt in der Probezeit eine kürzere Kündigungsfrist?
Ja. Während der vereinbarten Probezeit kann das Arbeitsverhältnis in der Regel mit einer Frist von zwei Wochen gekündigt werden – von Ihnen ebenso wie vom Arbeitgeber, sofern kein Tarifvertrag abweicht.
Zählt meine Ausbildungszeit auch, wenn ich in eine andere Abteilung wechsle?
Ja. Entscheidend ist, dass Sie ohne Unterbrechung beim selben Arbeitgeber beschäftigt bleiben. Ein Wechsel der Abteilung oder des Aufgabengebiets ändert daran nichts.


