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Als Au-pair ins Ausland: Was Sie vor der Abreise klären sollten

Ein Au-pair-Aufenthalt verbindet Kinderbetreuung, Familienleben und Sprachpraxis. Wer Aufgaben, Rechte und Ansprechpartner früh kennt, startet entspannter und kann die Zeit im Gastland wirklich genießen.

Küche einer Familienwohnung, eine junge Frau räumt die Spülmaschine aus

Für eine Weile in einem anderen Land leben, eine neue Sprache im Alltag sprechen und dabei Teil einer Familie sein: Ein Au-pair-Aufenthalt ist für viele junge Erwachsene der Einstieg in eine Zeit fern von zu Hause. Anders als bei einem reinen Reisejahr übernehmen Sie dabei Verantwortung, meist für Kinder. Damit das Abenteuer gelingt, sollten Sie vorab wissen, worauf Sie sich einlassen, welche Absprachen sinnvoll sind und wo Sie Unterstützung finden, falls es einmal hakt.

Passt ein Au-pair-Jahr zu Ihnen?

Bevor Sie Bewerbungen schreiben, lohnt sich eine ehrliche Selbstprüfung. Au-pair zu sein bedeutet, im Alltag einer fremden Familie mitzuleben – mit deren Gewohnheiten, Regeln und Eigenheiten. Fragen Sie sich deshalb:

  • Haben Sie Freude am Umgang mit Kindern? Erfahrungen aus Babysitting, Nachhilfe, Jugendgruppen oder Ferienbetreuung sind hilfreich und machen Ihre Bewerbung überzeugender.
  • Können Sie sich auf Neues einstellen? Essenszeiten, Erziehungsstile und Umgangsformen können sich deutlich von dem unterscheiden, was Sie kennen.
  • Kommen Sie mit Heimweh zurecht? Gerade die ersten Wochen können anstrengend sein. Gelassenheit und Geduld mit sich selbst helfen.
  • Sprechen Sie Probleme an? Wer Unstimmigkeiten offen und freundlich thematisiert, verhindert, dass sich Frust aufstaut.

Viele entscheiden sich nach dem Schulabschluss für diesen Schritt, etwa als Überbrückung vor Studium oder Ausbildung. Aber auch eine bewusst gesetzte Pause zwischen zwei Lebensphasen kann ein guter Anlass sein. Beachten Sie, dass je nach Gastland Altersgrenzen und weitere Voraussetzungen gelten.

Frühzeitig planen: Zeitrahmen und Ziel

Wie viel Vorlauf Sie brauchen, hängt stark vom Zielland ab. Für Länder außerhalb Europas sind oft Visa, Nachweise und Auswahlverfahren nötig, die mehrere Monate in Anspruch nehmen. Innerhalb Europas lässt sich ein Aufenthalt häufig schneller organisieren. Planen Sie lieber großzügig, damit Sie nicht die erstbeste Familie nehmen müssen, sondern auswählen können.

Überlegen Sie außerdem, was Sie sich vom Aufenthalt erhoffen: eine bestimmte Sprache, das Leben in einer Großstadt oder auf dem Land, eine Familie mit Kleinkindern oder mit Schulkindern? Je klarer Ihre Wünsche sind, desto leichter fällt die Suche.

Agentur oder Eigenregie?

Grundsätzlich können Sie eine Gastfamilie selbst über Online-Plattformen suchen oder eine Vermittlungsorganisation einschalten. Beide Wege haben Vor- und Nachteile.

WegVorteileNachteile
Vermittlung über eine AgenturVorauswahl passender Familien, Vorbereitung, Ansprechpartner vor Ort, Hilfe bei Konflikten oder FamilienwechselTeilweise Gebühren, festgelegte Abläufe
Suche in EigenregieMehr Freiheit bei der Auswahl, oft kostengünstigerKein Sicherheitsnetz, Seriosität der Familie müssen Sie selbst prüfen

Wenn Sie zum ersten Mal länger ins Ausland gehen, ist eine seriöse Organisation meist die sicherere Wahl. Achten Sie auf transparente Kosten, Erreichbarkeit im Notfall und eine Mitgliedschaft in anerkannten Fach- oder Gütegemeinschaften. Führen Sie in jedem Fall mehrere Videogespräche mit der Familie, bevor Sie zusagen – auch mit den Kindern, soweit möglich.

Aufgaben, Arbeitszeit und Leistungen

Im Mittelpunkt steht fast immer die Betreuung der Kinder: wecken, zur Schule oder Kita bringen, spielen, bei Hausaufgaben helfen, ins Bett bringen. Dazu kommen kleinere Tätigkeiten im Haushalt, die mit den Kindern zusammenhängen, etwa einfache Mahlzeiten zubereiten oder Spielsachen wegräumen. Als Haushaltshilfe oder Reinigungskraft sind Sie dagegen nicht vorgesehen; schwere oder umfangreiche Arbeiten in Haus und Garten gehören nicht zu Ihren Pflichten.

Die wöchentliche Arbeitszeit ist in den meisten Ländern begrenzt, ebenso stehen Ihnen regelmäßige freie Tage zu. Die genauen Vorgaben unterscheiden sich je nach Land und Programm. Im Gegenzug erhalten Sie üblicherweise:

  • ein eigenes Zimmer und freie Verpflegung,
  • ein monatliches Taschengeld,
  • Zeit und häufig einen Zuschuss für einen Sprachkurs,
  • Versicherungsschutz, etwa für Krankheit und Unfall,
  • bezahlten Urlaub entsprechend der Aufenthaltsdauer.

Alles schriftlich festhalten

Ein Vertrag schützt beide Seiten. Darin sollten Arbeitszeiten, Aufgaben, Taschengeld, Urlaub, Versicherung, Kündigungsfristen und gegebenenfalls Reisekosten geregelt sein. Klären Sie auch Alltagsfragen wie Ausgehzeiten, Nutzung des Autos oder Besuch von Freunden. Kurzfristige Ausnahmen, etwa wenn ein Elternteil unerwartet verhindert ist, kommen vor – sie sollten aber die Ausnahme bleiben und nicht zur Regel werden.

Wenn es nicht rundläuft

Missverständnisse gehören zum Zusammenleben dazu. Wichtig ist, sie früh anzusprechen. Bitten Sie um ein ruhiges Gespräch, schildern Sie konkret, was Sie stört, und machen Sie einen Vorschlag zur Lösung. Ein fester wöchentlicher Austausch mit den Gasteltern beugt vielen Konflikten vor.

Lassen sich Probleme nicht lösen – etwa weil Sie dauerhaft deutlich mehr arbeiten als vereinbart oder sich unwohl fühlen –, wenden Sie sich an Ihre Vermittlungsorganisation. Seriöse Agenturen vermitteln, beraten und helfen notfalls bei der Suche nach einer neuen Familie. Speichern Sie Notfallnummern, die Adresse der deutschen Auslandsvertretung und Kontakte anderer Au-pairs vor Ort. Eine vorzeitige Beendigung ist in der Regel möglich, die Fristen stehen in Ihrem Vertrag.

Die gute Nachricht: Ernsthafte Schwierigkeiten sind selten. Viele Au-pairs kehren selbstständiger, sprachlich sicherer und mit Freundschaften für lange Zeit zurück – und mit einem neuen Blick auf ihr eigenes Zuhause.

Häufige Fragen

Brauche ich Erfahrung in der Kinderbetreuung?

Viele Programme verlangen Nachweise über Erfahrung mit Kindern. Babysitting, Praktika in Kitas oder ehrenamtliche Jugendarbeit zählen dazu und verbessern Ihre Chancen.

Kann ich als Au-pair auch einen Sprachkurs besuchen?

Ja, das ist sogar ausdrücklich vorgesehen. Gastfamilien sollen Ihnen dafür Zeit einräumen und beteiligen sich je nach Land und Programm an den Kosten.

Was passiert, wenn die Familie nicht passt?

Suchen Sie zuerst das Gespräch. Hilft das nicht, unterstützt Sie Ihre Agentur bei der Klärung oder einem Wechsel. Der Vertrag kann von beiden Seiten unter Einhaltung der vereinbarten Frist gekündigt werden.

Bin ich während des Aufenthalts versichert?

In der Regel ja, häufig organisiert die Gastfamilie oder die Agentur die Versicherung. Prüfen Sie vorab genau, welche Leistungen enthalten sind, und schließen Sie bei Bedarf eine Zusatzversicherung ab.