Zwischen Sorgenfalten und Sturkopf: So gelingt die Zusammenarbeit mit schwierigen Kollegen
Die einen sehen überall Risiken, die anderen halten sich an keine Absprache. Wie Sie mit ängstlichen und widerspenstigen Kolleginnen und Kollegen umgehen, ohne selbst die Nerven zu verlieren.
Neue Abläufe, geänderte Sicherheitsvorgaben, ein Umzug ins Großraumbüro: Sobald sich am Arbeitsplatz etwas verändert, zeigt sich, wie unterschiedlich Menschen ticken. Manche Kolleginnen und Kollegen reagieren mit spürbarer Unruhe und sprechen ihre Bedenken immer wieder an. Andere wiederum scheinen Vorgaben grundsätzlich als Zumutung zu empfinden und machen demonstrativ ihr eigenes Ding. Beides kann ein Team belasten. Die gute Nachricht: Mit etwas Verständnis für die Beweggründe und ein paar Gesprächstechniken lässt sich in beiden Fällen viel entschärfen.
Warum Beruhigen oft nach hinten losgeht
Wenn jemand besorgt ist, liegt ein Satz wie „Ach, das wird schon“ nahe. Gemeint ist er freundlich, ankommen tut er meist anders: Die Person fühlt sich nicht verstanden, sondern abgewiesen. Die Folge ist häufig, dass die Sorge beim nächsten Gespräch erneut auf den Tisch kommt – oft sogar mit mehr Nachdruck.
Hilfreicher ist es, die Bedenken zunächst ernst zu nehmen, auch wenn Sie sie selbst nicht teilen. Das bedeutet nicht, jede Befürchtung zu bestätigen. Es bedeutet lediglich, zu signalisieren: Ich habe gehört, was dich beschäftigt.
So führen Sie das Gespräch
- Zuhören, ohne zu unterbrechen: Lassen Sie die Person ausreden, auch wenn Sie die Argumente schon kennen.
- Mit eigenen Worten zusammenfassen: „Du hast also Sorge, dass bei der neuen Maschine etwas schiefgeht, weil die Einweisung so kurz war?“ Das zeigt echtes Interesse.
- Gemeinsam nach Lösungen suchen: Fragen Sie, was helfen würde – etwa eine zusätzliche Schulung, eine Checkliste oder ein Ansprechpartner für Rückfragen.
- Konkret werden: Kleine, greifbare Schritte beruhigen mehr als allgemeine Zusicherungen.
Regelverweigerer: Wenn Widerstand zum Prinzip wird
Am anderen Ende stehen Menschen, die Vorgaben eher als Angriff auf ihre Selbstbestimmung erleben. Sie ignorieren Absprachen, kommentieren sie spöttisch oder halten sich nur so weit daran, dass man ihnen nichts nachweisen kann. Oft geht es dabei gar nicht um den Inhalt der Regel, sondern um das Gefühl, bevormundet zu werden.
Druck und Ermahnungen verstärken diesen Widerstand in vielen Fällen. Erfolgversprechender ist es, die Person aktiv zu beteiligen.
Mitsprache statt Anordnung
- Um Vorschläge bitten: Fragen Sie, wie die Person das Problem lösen würde. Wer selbst Ideen einbringt, steht eher hinter dem Ergebnis.
- Wahlmöglichkeiten anbieten: Statt einer einzigen Vorgabe können Sie mehrere zulässige Wege aufzeigen – etwa ob ein Bericht täglich kurz oder wöchentlich ausführlich abgegeben wird.
- Den Zweck erklären: Wer versteht, wofür eine Regel da ist, empfindet sie seltener als Willkür.
- Verantwortung übertragen: Manchmal wird aus dem größten Kritiker der engagierteste Mitstreiter, wenn er eine Aufgabe bei der Umsetzung übernimmt.
Wichtig: Wo es um Sicherheit oder verbindliche Vorgaben geht, ist Mitsprache kein Freifahrtschein. Wenn Gespräche nichts bewirken, ist die Führungskraft gefragt.
Verhalten verstehen, nicht persönlich nehmen
Ob übervorsichtig oder bockig: Hinter schwierigem Verhalten steckt selten böse Absicht. Meist drückt sich darin ein Bedürfnis aus – nach Sicherheit, nach Kontrolle, nach Anerkennung. Wer sich das bewusst macht, kann Spitzen und Belehrungen leichter an sich abprallen lassen.
Hilfreich ist die Frage: Was braucht diese Person gerade? Die Antwort verändert oft den Blick auf die Situation. Aus „Der nervt mich“ wird „Der ist offenbar verunsichert“ – und damit sinkt der eigene Ärger spürbar.
Gelassen bleiben: Abstand im Kopf schaffen
Nicht jede Spannung im Team lässt sich auflösen. Umso wichtiger ist es, die eigene Ruhe zu schützen. Einige Strategien, die sich im Alltag bewähren:
- Beobachten statt bewerten: Betrachten Sie eine aufgeheizte Situation mit einer gewissen Neugier, als würden Sie sie von außen verfolgen.
- Stimmungen nicht übernehmen: Pessimismus ist ansteckend. Achten Sie bewusst darauf, sich nicht in Grübelrunden ziehen zu lassen.
- Pausen nutzen: Ein kurzer Gang an die frische Luft oder ein Gespräch mit jemand anderem bringt Abstand.
- Grenzen setzen: Es ist in Ordnung, ein Thema freundlich zu beenden, wenn es zum fünften Mal am Tag aufkommt.
Der Blick in den Spiegel
Zur Fairness gehört auch, das eigene Verhalten zu hinterfragen. Vielleicht sind Sie selbst für andere gerade anstrengend – weil Sie viel über private Themen sprechen, ständig auf Missstände hinweisen oder Änderungen mit sichtbarem Unmut begleiten. Eine ehrliche Selbsteinschätzung oder die Rückmeldung einer vertrauten Kollegin kann hier Klarheit schaffen. Wer seine eigenen Eigenheiten kennt, tritt Konflikten gelassener und glaubwürdiger gegenüber.
Häufige Fragen
Soll ich die Führungskraft einschalten, wenn ein Kollege Regeln ignoriert?
Zunächst lohnt sich ein direktes, sachliches Gespräch. Bleibt das ohne Wirkung oder geht es um Sicherheit und Gesundheit, sollten Sie die Führungskraft informieren – sachlich und ohne Vorwürfe.
Was tun, wenn mich die Sorgen einer Kollegin selbst verunsichern?
Trennen Sie deren Einschätzung von Ihrer eigenen. Informieren Sie sich bei verlässlichen Stellen im Unternehmen, etwa der Arbeitssicherheit oder dem Betriebsrat, und bilden Sie sich ein eigenes Urteil.
Wie oft muss ich mir dieselben Bedenken anhören?
Sie dürfen Grenzen ziehen. Nehmen Sie die Sorge einmal gründlich ernst, vereinbaren Sie konkrete Schritte – und verweisen Sie bei Wiederholungen freundlich auf diese Absprache.
Hilft es, schwierige Kollegen zu meiden?
Kurzfristig vielleicht, auf Dauer selten. Distanz im Kopf ist meist wirksamer als räumliches Ausweichen, denn die Zusammenarbeit lässt sich im Job kaum vermeiden.


