Nickerchen im Job: Wann ein kurzer Schlaf Ihre Leistung stärkt
Ein kurzer Schlaf in der Mittagspause kann Konzentration und Laune spürbar heben – wenn Sie ihn richtig planen. So gelingt das Nickerchen im Arbeitsalltag, ohne dass es zum Karrierehindernis wird.
Kennen Sie das? Der Vormittag lief konzentriert, das Mittagessen war gut – und plötzlich verschwimmen die Zeilen auf dem Bildschirm. Viele Beschäftigte kämpfen sich dann mit Kaffee, frischer Luft oder purer Willenskraft durch den Nachmittag. Dabei gibt es eine einfache Alternative, die in vielen Büros noch immer belächelt wird: ein kurzes, gezielt eingesetztes Nickerchen. Richtig gemacht, ist es kein Zeichen von Bequemlichkeit, sondern ein Werkzeug für mehr Klarheit im Kopf.
Warum uns am Nachmittag die Energie ausgeht
Das Leistungstief nach der Mittagszeit hat weniger mit dem Essen zu tun, als viele glauben. Unser Körper folgt einem inneren Rhythmus, der neben der großen Müdigkeitsphase in der Nacht auch eine kleinere am frühen Nachmittag kennt. Ein schweres Mittagessen kann diesen Effekt verstärken, verursacht ihn aber nicht allein.
Hinzu kommt, dass viele Menschen nachts weniger schlafen, als sie eigentlich bräuchten. Wie viel Schlaf jemand benötigt, ist individuell verschieden. Wer jedoch dauerhaft unter seinem persönlichen Bedarf bleibt, spürt das tagsüber: Die Aufmerksamkeit lässt nach, Fehler häufen sich, Entscheidungen fallen schwerer, und auch die Reizbarkeit steigt.
Was ein Kurzschlaf bewirken kann
Ein kurzes Nickerchen ersetzt keine erholsame Nacht. Es kann aber helfen, ein akutes Tief zu überbrücken. Viele Menschen berichten danach von:
- mehr Konzentration bei Aufgaben, die Sorgfalt erfordern,
- besserer Stimmung und mehr Gelassenheit im Umgang mit Kolleginnen und Kollegen,
- weniger Flüchtigkeitsfehlern am späten Nachmittag,
- frischerem Denken, etwa wenn ein Problem festgefahren scheint.
Besonders profitieren können Menschen mit langen oder wechselnden Arbeitszeiten, etwa im Schichtdienst, aber auch alle, die in Berufen mit hoher Verantwortung für Sicherheit arbeiten.
So gelingt das Nickerchen im Arbeitsalltag
Entscheidend ist die Dauer. Wer zu lange schläft, rutscht in tiefere Schlafphasen und wacht anschließend benommen auf – das Gegenteil des gewünschten Effekts. Bewährt haben sich diese Grundregeln:
- Kurz halten: Etwa zehn bis zwanzig Minuten gelten als guter Richtwert. Stellen Sie sich einen Wecker, damit Sie nicht ins Grübeln geraten, ob Sie verschlafen.
- Den richtigen Zeitpunkt wählen: Am besten in der ersten Nachmittagshälfte. Ein Nickerchen kurz vor Feierabend kann den Nachtschlaf stören.
- Nicht zu bequem liegen: Ein Sessel oder eine aufrechte Haltung verhindert, dass Sie zu tief einschlafen.
- Reize reduzieren: Augenmaske, Ohrstöpsel oder ruhige Geräusche über Kopfhörer helfen, schneller abzuschalten.
- Bewusst aufwachen: Nach dem Wecken einige Minuten einplanen, Wasser trinken, kurz bewegen – erst dann wieder an anspruchsvolle Aufgaben gehen.
Ein kleiner Trick, den viele nutzen: direkt vor dem Nickerchen eine Tasse Kaffee trinken. Das Koffein wirkt erst mit Verzögerung und unterstützt so das Wachwerden.
Wenn Einschlafen nicht klappt
Auch wer nicht einschläft, kann profitieren. Schon das ruhige Liegen oder Sitzen mit geschlossenen Augen entlastet. Atemübungen oder eine kurze Entspannungsübung sind eine gute Alternative für alle, die tagsüber grundsätzlich nicht schlafen können.
Was rechtlich und organisatorisch gilt
In Deutschland ist die gesetzliche Ruhepause grundsätzlich Freizeit. Wie Sie sie verbringen, bleibt in der Regel Ihnen überlassen – also auch, ob Sie sie für ein Nickerchen nutzen. Anders sieht es während der Arbeitszeit aus: Wer dann ohne Absprache schläft, riskiert Ärger mit dem Arbeitgeber.
Klären Sie deshalb vorab:
- Gibt es betriebliche Regelungen oder eine Betriebsvereinbarung zu Pausen und Ruheräumen?
- Steht ein geeigneter Raum zur Verfügung, oder lässt sich ein ruhiger Platz organisieren?
- Wie ist Ihre Erreichbarkeit in der Pause geregelt?
Im Homeoffice ist ein Kurzschlaf meist leichter umzusetzen. Auch hier gilt aber: Pausenzeiten sauber einhalten und dokumentieren, wenn das in Ihrem Unternehmen üblich ist.
Das Thema im Team und bei der Führung ansprechen
Noch immer haftet dem Schlafen am Arbeitsplatz ein Image von Faulheit an. Wer das Thema einbringen möchte, sollte deshalb sachlich argumentieren. Hilfreich ist, den Fokus auf Ergebnisse zu legen: weniger Fehler, mehr Konzentration, bessere Gesundheit. Schlagen Sie eine Testphase vor, etwa mit einem ruhigen Raum, den alle in ihrer Pause nutzen dürfen. Viele Unternehmen bieten im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements ohnehin Angebote zu Stress und Erholung – ein Ruheraum passt gut in dieses Konzept.
Führungskräfte können mit gutem Beispiel vorangehen. Wer selbst offen damit umgeht, nimmt dem Thema schnell das Stigma.
Häufige Fragen
Wie lange sollte ein Nickerchen im Job dauern?
Ideal sind etwa zehn bis zwanzig Minuten. Längere Schlafphasen führen oft zu Benommenheit, die eine Weile anhält.
Darf ich in meiner Mittagspause schlafen?
Grundsätzlich ja, denn die Ruhepause ist in der Regel Ihre freie Zeit. Beachten Sie aber betriebliche Regeln, etwa zu Räumen oder Erreichbarkeit.
Ersetzt ein Kurzschlaf fehlenden Nachtschlaf?
Nein. Er kann ein Tief überbrücken, gleicht ein dauerhaftes Schlafdefizit aber nicht aus. Wer ständig müde ist, sollte die Ursachen ärztlich abklären lassen.
Was tun, wenn ich nach dem Nickerchen schlecht wach werde?
Verkürzen Sie die Schlafdauer, wählen Sie eine weniger bequeme Position und planen Sie nach dem Aufwachen ein paar Minuten Bewegung und Tageslicht ein.


