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Ratgeber

Hebamme werden: So funktioniert der Weg über das Studium

Die Hebammenausbildung findet heute an der Hochschule statt. Was das duale Studium verlangt, wie es aufgebaut ist und welche Wege Ihnen danach offenstehen, erfahren Sie hier.

Hebammenstudentin bereitet in einem Kreißsaal Tücher vor, von hinten gesehen

Kaum ein Beruf begleitet Menschen in einem so prägenden Moment wie der der Hebamme. Wer sich für diesen Weg interessiert, findet heute andere Rahmenbedingungen vor als frühere Generationen: Die Ausbildung ist akademisch geworden. Statt an einer Berufsfachschule lernen angehende Hebammen an einer Hochschule und sammeln parallel Erfahrung in der Praxis. Was das für Ihre Planung bedeutet, welche Voraussetzungen Sie mitbringen sollten und wohin der Weg anschließend führen kann, lesen Sie in diesem Ratgeber.

Vom Schulberuf zum Hochschulstudium

In Deutschland führt der Weg in den Hebammenberuf inzwischen über ein duales Studium, das mit einem Bachelorabschluss endet. Hintergrund ist eine Reform, mit der die Ausbildung an europäische Standards angepasst wurde. Die frühere schulische Ausbildung läuft nicht mehr als regulärer Einstieg.

Der Gedanke dahinter: Geburtshilfe entwickelt sich ständig weiter. Neue Studien verändern Empfehlungen, Leitlinien werden überarbeitet. Hebammen sollen deshalb nicht nur Handgriffe beherrschen, sondern wissenschaftliche Erkenntnisse verstehen, einordnen und kritisch bewerten können.

Welche Voraussetzungen Sie mitbringen müssen

Mit dem Wechsel an die Hochschule haben sich auch die Zugangsvoraussetzungen verändert. Ein mittlerer Schulabschluss allein genügt in der Regel nicht mehr. Üblicherweise benötigen Sie:

  • eine abgeschlossene zwölfjährige allgemeine Schulausbildung, also etwa Abitur oder Fachhochschulreife, oder
  • eine abgeschlossene Ausbildung in einem Pflegeberuf.

Darüber hinaus verlangen viele Hochschulen eine gesundheitliche Eignung und ein Führungszeugnis. Manche setzen zusätzlich ein Vorpraktikum voraus oder werten es im Auswahlverfahren positiv. Da die genauen Bedingungen von Hochschule zu Hochschule variieren, lohnt sich ein frühzeitiger Blick auf die jeweiligen Studienseiten.

Persönliche Eigenschaften zählen ebenso

Formale Abschlüsse sind nur die halbe Miete. Im Berufsalltag sind vor allem diese Fähigkeiten gefragt:

  • Empathie: Werdende Eltern bringen Fragen, Sorgen und manchmal Ängste mit. Sie sind dann nicht nur Fachkraft, sondern auch Halt.
  • Belastbarkeit: Geburten richten sich nach keinem Dienstplan. Schicht-, Nacht- und Wochenenddienste gehören dazu.
  • Naturwissenschaftliches Interesse: Anatomie, Physiologie und Pharmakologie sind feste Bestandteile des Studiums.
  • Entscheidungsstärke: In kritischen Situationen müssen Sie ruhig bleiben und schnell handeln.

So ist das duale Studium aufgebaut

Das Studium verbindet Lehrveranstaltungen an der Hochschule mit Einsätzen in der Praxis. Die Dauer unterscheidet sich je nach Hochschule; rechnen Sie mit mehreren Jahren Vollzeit. Ihr Vertragspartner für den praktischen Teil ist meist ein Krankenhaus, das als verantwortliche Praxiseinrichtung fungiert. Ergänzend kommen Einsätze in ambulanten Bereichen hinzu, etwa bei freiberuflichen Hebammen.

Inhaltlich erwartet Sie ein breites Spektrum:

  • medizinische Grundlagen rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett
  • Hygiene und Notfallmanagement
  • wissenschaftliches Arbeiten und Forschungsmethoden
  • Berufsrecht und Berufspolitik
  • Kommunikation und Beratung
  • betriebswirtschaftliche Themen wie Qualitätsmanagement – hilfreich, falls Sie später selbstständig arbeiten möchten

In den Praxisphasen werden Sie von speziell qualifizierten Praxisanleitungen begleitet. So lernen Sie Schritt für Schritt, Verantwortung zu übernehmen.

Prüfung und Abschluss

Am Ende stehen zwei Meilensteine: die staatliche Prüfung, die Ihnen die Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung verschafft, und die Bachelorarbeit. Die Prüfung ist in das Studium integriert und umfasst schriftliche, mündliche und praktische Teile. Praktische Prüfungssituationen werden heute vielfach simuliert, etwa mit Darstellerinnen oder Übungsmodellen. Das schafft vergleichbare Bedingungen für alle und belastet keine Gebärenden in einer ohnehin besonderen Lebenslage.

Vergütung und Organisation

Ein Vorteil des dualen Modells: Sie erhalten während des gesamten Studiums eine Vergütung von Ihrer Praxiseinrichtung. Wie hoch sie ausfällt, hängt vom Arbeitgeber und davon ab, ob ein Tarifvertrag gilt. Fragen Sie im Bewerbungsgespräch gezielt nach.

Planen Sie außerdem ein, dass Praxiseinsätze nicht immer am Studienort stattfinden. Längere Fahrwege oder vorübergehende Umzüge sind möglich. Die Kombination aus Lernphasen und Diensten verlangt gutes Zeitmanagement.

Perspektiven nach dem Abschluss

Mit dem Bachelor stehen Ihnen verschiedene Wege offen:

ArbeitsfeldTypische Aufgaben
Kreißsaal im KrankenhausGeburtsbegleitung im Team mit Ärztinnen und Ärzten
FreiberuflichkeitVorsorge, Geburtsvorbereitung, Wochenbettbetreuung, ggf. Hausgeburten
Hebammenpraxis oder Geburtshausumfassende Begleitung von der Schwangerschaft bis nach der Geburt
Wissenschaft und LehreForschung, Lehre an Hochschulen, Praxisanleitung
Leitung und ManagementFührung von Teams oder Abteilungen, meist nach einem Masterstudium

Viele beginnen im Krankenhaus, um Routine zu gewinnen, und wechseln später in die Freiberuflichkeit, wo sie Familien über einen längeren Zeitraum begleiten.

Häufige Fragen

Kann ich ohne Abitur Hebamme werden?

Ja, wenn Sie eine abgeschlossene Pflegeausbildung haben. Mit einem mittleren Schulabschluss allein ist der Zugang in der Regel nicht möglich.

Muss ich mich bei Hochschule und Klinik bewerben?

Meist ja. Häufig schließen Sie zunächst einen Vertrag mit der Praxiseinrichtung und schreiben sich dann an der Hochschule ein. Das Verfahren unterscheidet sich je nach Standort.

Bekomme ich während des Studiums Geld?

Ja, im dualen Studium erhalten Sie durchgehend eine Vergütung. Die Höhe hängt vom Arbeitgeber und einer möglichen Tarifbindung ab.

Kann ich nach dem Bachelor weiterstudieren?

Ja. Masterstudiengänge bereiten etwa auf Leitungsaufgaben, Lehre oder Forschung vor und eröffnen zusätzliche Karrierewege.