Wie werde ich Pressesprecherin oder Pressesprecher? Wege, Aufgaben und Anforderungen
Pressesprecherinnen und Pressesprecher sind die Stimme einer Organisation nach außen. Wir zeigen, welche Wege in den Beruf führen, was der Alltag verlangt und wie Sie Ihre Chancen gezielt verbessern.
Wenn ein Unternehmen ein neues Produkt vorstellt, eine Behörde eine wichtige Entscheidung erklärt oder ein Verein auf eine Panne reagieren muss, steht meist eine Person im Mittelpunkt: die Pressesprecherin oder der Pressesprecher. Sie beantworten Anfragen von Redaktionen, formulieren Stellungnahmen und sorgen dafür, dass die Botschaften ihrer Organisation verständlich und glaubwürdig ankommen. Der Beruf ist abwechslungsreich, verlangt aber auch Nervenstärke. Wer sich dafür interessiert, sollte wissen, was ihn erwartet – und wie der Weg dorthin aussehen kann.
Was Pressesprecherinnen und Pressesprecher eigentlich tun
Im Kern geht es darum, die Verbindung zwischen einer Organisation und den Medien zu halten. Dazu gehört weit mehr als das Verschicken von Mitteilungen. Typische Aufgaben sind:
- Medienanfragen beantworten: schnell, korrekt und abgestimmt mit den zuständigen Fachabteilungen.
- Texte verfassen: Pressemitteilungen, Statements, Hintergrundpapiere, Redemanuskripte oder Beiträge für eigene Kanäle.
- Interviews geben und vorbereiten: entweder selbst vor Kamera und Mikrofon oder als Begleitung der Geschäftsführung.
- Kontakte pflegen: ein belastbares Netzwerk zu Journalistinnen und Journalisten aufbauen und erhalten.
- Krisen begleiten: bei Störungen, Unfällen oder Kritik rasch und souverän informieren.
- Themen setzen: erkennen, welche Neuigkeiten für die Öffentlichkeit relevant sind, und sie aktiv anbieten.
Arbeitgeber sind nicht nur Konzerne, sondern auch Ministerien, Kommunen, Hochschulen, Kliniken, Verbände, Parteien, Stiftungen oder Sportvereine. Entsprechend unterschiedlich fällt der Alltag aus: In einer großen Pressestelle teilt man sich die Themen im Team, in kleinen Organisationen ist man oft allein für die gesamte Kommunikation verantwortlich.
Welche Wege in den Beruf führen
Eine geschützte Berufsbezeichnung oder eine feste Ausbildung gibt es nicht. Stattdessen führen mehrere Pfade zum Ziel:
Über den Journalismus
Ein verbreiteter Weg führt über die Redaktion. Wer selbst als Journalistin oder Journalist gearbeitet hat, kennt die Bedürfnisse der Gegenseite genau: Fristen, Nachrichtenwert, präzise Antworten. Der Einstieg in den Journalismus erfolgt meist über ein Volontariat bei einem Medienhaus oder über eine Journalistenschule, häufig in Verbindung mit einem Studium.
Über ein Kommunikationsstudium
Hochschulen bieten Studiengänge in Kommunikationswissenschaft, Public Relations, Medienmanagement oder Unternehmenskommunikation an. Praktika in Pressestellen oder PR-Agenturen während des Studiums sind dabei besonders wertvoll. Nach dem Abschluss ist auch ein PR-Volontariat ein guter Einstieg.
Über das Fachgebiet
Nicht selten wechseln Beschäftigte aus anderen Abteilungen in die Kommunikation – etwa aus dem Marketing, der Politik oder einer Fachabteilung. Ihr Vorteil: Sie kennen die Organisation und die Inhalte bereits sehr gut. Gerade in technischen, medizinischen oder juristischen Bereichen ist dieses Fachwissen gefragt.
Diese Fähigkeiten machen den Unterschied
Unabhängig vom Werdegang zählen bestimmte Eigenschaften zum Handwerkszeug:
- Sprachgefühl: komplizierte Sachverhalte kurz, klar und ohne Fachjargon erklären.
- Belastbarkeit: Anfragen kommen auch abends oder am Wochenende, in Krisen zählt jede Stunde.
- Diplomatie: zwischen den Interessen der Organisation und dem Informationsanspruch der Medien vermitteln.
- Organisationstalent: wissen, wen man intern ansprechen muss, um schnell an verlässliche Informationen zu kommen.
- Auftreten: Sicherheit vor Kamera und Publikum, auch bei unangenehmen Fragen.
- Digitale Kompetenz: soziale Netzwerke, eigene Kanäle und Monitoring-Tools gehören heute selbstverständlich dazu.
Die Haltung muss passen
Ein Punkt wird bei der Berufswahl oft unterschätzt: Wer für eine Organisation spricht, vertritt deren Positionen öffentlich – auch dann, wenn sie umstritten sind. Das funktioniert auf Dauer nur, wenn Sie sich mit den Zielen und Werten des Arbeitgebers zumindest weitgehend identifizieren können. Prüfen Sie deshalb vor einer Bewerbung ehrlich, ob Sie hinter der Sache stehen. Glaubwürdigkeit lässt sich schwer vortäuschen, und ein innerer Konflikt wird mit der Zeit zur Belastung.
Ebenso wichtig ist ein klarer ethischer Kompass. Gute Pressearbeit beschönigt nicht und verschweigt nichts Wesentliches. Wer einmal falsch informiert hat, verliert das Vertrauen der Redaktionen – und damit die wichtigste Grundlage des Berufs.
Verdienst und Perspektiven
Was Pressesprecherinnen und Pressesprecher verdienen, hängt stark von Branche, Größe der Organisation, Verantwortung und Region ab. Im öffentlichen Dienst richtet sich die Bezahlung nach dem jeweiligen Tarifvertrag, in der Wirtschaft wird frei verhandelt. Mit wachsender Erfahrung sind Aufstiege möglich, etwa zur Leitung einer Pressestelle oder in die Kommunikationsleitung eines Unternehmens. Auch der Schritt in die Selbstständigkeit als Kommunikationsberatung ist eine Option.
Häufige Fragen
Brauche ich unbedingt ein Studium?
Formal nicht, in der Praxis erwarten die meisten Arbeitgeber aber einen Hochschulabschluss oder eine gleichwertige journalistische Ausbildung. Entscheidend sind zudem praktische Erfahrungen.
Muss ich vorher als Journalist gearbeitet haben?
Nein. Redaktionserfahrung ist ein Vorteil, aber auch Quereinstieg über ein Kommunikationsstudium oder aus einer Fachabteilung ist üblich.
Wie sammle ich erste Erfahrungen?
Praktika in Pressestellen oder Agenturen, Mitarbeit bei Hochschul- oder Lokalmedien sowie ehrenamtliche Öffentlichkeitsarbeit für Vereine sind gute Einstiege.
Wie familienfreundlich ist der Beruf?
Das hängt vom Arbeitgeber ab. Bereitschaftsdienste und kurzfristige Einsätze sind verbreitet, große Pressestellen verteilen diese Last jedoch oft auf mehrere Schultern.


