Die Karriereleiter

Die ersten Schritte zum Erfolg

Ratgeber

Freunde im Bewerbungsrennen: So bleibt die Beziehung intakt

Wenn Sie sich mit einer guten Freundin, einem guten Freund oder Ihrer Partnerin bzw. Ihrem Partner um dieselbe Stelle bewerben, wird es heikel. Mit Offenheit, klaren Absprachen und dem richtigen Umgang mit Absagen behalten Sie Job-Chancen und Beziehung im Blick.

Zwei junge Erwachsene von hinten an getrennten Tischen im Lesesaal einer Bibliothek

Sie haben die perfekte Ausschreibung entdeckt – und kurz darauf erfahren Sie, dass sich auch Ihre beste Freundin aus dem Studium oder Ihr langjähriger Kollege darauf bewirbt. Vielleicht ist es sogar Ihr Partner. Plötzlich steht etwas zwischen Ihnen, das vorher keine Rolle spielte: der Wunsch, selbst ausgewählt zu werden. Solche Situationen sind häufiger, als man denkt. Gerade in Bereichen mit wenigen begehrten Einstiegsplätzen oder bei internen Beförderungen landen Menschen, die sich mögen, schnell im selben Bewerberfeld. Die gute Nachricht: Eine Freundschaft muss daran nicht zerbrechen. Entscheidend ist, wie Sie mit der Lage umgehen.

Offen ansprechen statt heimlich taktieren

Der wichtigste Schritt ist zugleich der unbequemste: Sprechen Sie die Konkurrenz direkt an. Wer sich still bewirbt und hofft, dass der andere es nicht erfährt, riskiert mehr als eine verpasste Stelle. Kommt es später heraus, fühlt sich das Gegenüber getäuscht – und genau dieser Vertrauensbruch wiegt oft schwerer als die Absage selbst.

Ein ehrliches Gespräch nimmt der Situation viel Spannung. Sie könnten etwa sagen: „Ich habe gesehen, dass wir uns beide beworben haben. Lass uns kurz darüber reden, wie wir damit umgehen wollen.“ Damit signalisieren Sie, dass Ihnen die Beziehung wichtig ist – unabhängig vom Ergebnis.

Gemeinsame Spielregeln vereinbaren

Hilfreich ist es, früh zu klären, wie Sie sich während des Verfahrens verhalten. Mögliche Absprachen:

  • Transparenz: Sie informieren sich gegenseitig über den Stand, etwa über Einladungen zum Gespräch.
  • Fairness: Keiner versucht, über Kontakte oder abfällige Bemerkungen die Chancen des anderen zu schmälern.
  • Grenzen: Sie legen fest, worüber Sie lieber nicht sprechen wollen, zum Beispiel über konkrete Antworten im Vorstellungsgespräch.
  • Nach dem Ergebnis: Sie vereinbaren, die Entscheidung des Unternehmens nicht persönlich zu nehmen.

Manche Duos entscheiden sich bewusst für den Teamgedanken: Sie bereiten sich gemeinsam vor, üben typische Fragen und geben sich Rückmeldung zu Anschreiben. Andere ziehen es vor, das Verfahren getrennt zu durchlaufen. Beides ist legitim – wichtig ist nur, dass Sie es miteinander abgestimmt haben.

Unterstützen, ohne sich selbst zu schaden

Sich gegenseitig zu helfen, ist im Berufsleben ganz normal. Wer heute einen Tipp gibt, bekommt morgen vielleicht selbst einen. Sie können sich zum Beispiel auf weitere passende Stellen hinweisen, Erfahrungen mit Auswahlverfahren teilen oder Unterlagen gegenlesen.

Gutes Feedback verlangt allerdings Mut. Es ist verlockend, nur Lob zu verteilen – gerade wenn man insgeheim selbst im Rennen ist. Wirklich hilfreich sind Sie aber nur, wenn Sie auch Schwächen ehrlich benennen. Das gelingt leichter, wenn Sie innerlich etwas Abstand nehmen und die Rolle einer neutralen Beraterin oder eines neutralen Beraters einnehmen.

Wenn einer gewinnt und der andere nicht

Irgendwann fällt die Entscheidung. Dass Sie das Ergebnis kalt lässt, ist unrealistisch – Enttäuschung oder auch ein schlechtes Gewissen sind normale Reaktionen. So gehen Sie konstruktiv damit um:

Wenn Sie die Zusage erhalten

  • Freuen Sie sich, aber feiern Sie nicht ausgerechnet vor der Person, die leer ausgegangen ist.
  • Zeigen Sie Verständnis, ohne sich für Ihren Erfolg zu entschuldigen.
  • Bieten Sie Unterstützung bei der weiteren Suche an, wenn das gewünscht ist.

Wenn Sie die Absage erhalten

  • Gönnen Sie sich Zeit, die Enttäuschung zu verarbeiten.
  • Vermeiden Sie den direkten Vergleich: Auswahlentscheidungen hängen oft von Tagesform, Teamzusammensetzung oder schlichtem Zufall ab.
  • Betrachten Sie die Absage als einzelnes Ergebnis, nicht als Urteil über Ihren Wert.

Vergleiche sind ohnehin selten fair. Menschen bringen unterschiedliche Stärken mit, und ein Verfahren bildet nie alles ab, was jemand kann.

Besondere Lage: Paare im selben Bewerbungsfeld

Für Paare ist die Konkurrenz besonders sensibel, weil Beruf und Privatleben eng verwoben sind. Manche Paare spornen sich gegenseitig an und profitieren voneinander. Bei anderen entsteht ein Ungleichgewicht, wenn einer dauerhaft erfolgreicher wirkt.

Spüren Sie, dass sich einer von Ihnen unterlegen fühlt, hilft es, Job und Beziehung bewusst zu trennen. Holen Sie sich fachlichen Rat lieber bei Kolleginnen, Mentoren oder Karriereberatungen, statt alles mit dem Partner zu besprechen. So bleibt die Beziehung ein Rückzugsort und kein zweites Bewerbungsgespräch.

Langfristig unterschiedliche Wege gehen?

Wer immer wieder mit denselben Menschen um Stellen konkurriert, kann über unterschiedliche Schwerpunkte nachdenken – etwa bei Spezialisierungen, Branchen oder dem Zeitpunkt des Einstiegs. Das ist sinnvoll, wenn es zu Ihren Interessen passt. Verzichten Sie aber nicht auf ein Thema, für das Sie wirklich brennen, nur um einem Konflikt auszuweichen. Ihre berufliche Zufriedenheit ist auf Dauer wichtiger als eine konfliktfreie Bewerbungsphase.

Häufige Fragen

Muss ich meinen Freunden sagen, dass ich mich auf dieselbe Stelle bewerbe?

Eine Pflicht gibt es nicht, aber Offenheit ist fast immer die bessere Wahl. Erfährt Ihr Gegenüber es auf anderem Weg, leidet das Vertrauen deutlich stärker.

Darf ich mich mit einem Mitbewerber gemeinsam vorbereiten?

Ja, sofern Sie beide damit einverstanden sind. Gemeinsames Üben kann beiden helfen – vereinbaren Sie aber vorher, wie viel Sie voneinander preisgeben wollen.

Wie reagiere ich, wenn mein Freund die Stelle bekommt?

Gratulieren Sie ehrlich und erlauben Sie sich trotzdem, enttäuscht zu sein. Beides schließt sich nicht aus. Wenn Sie Abstand brauchen, sagen Sie das offen.

Was tun, wenn die Konkurrenz die Beziehung dauerhaft belastet?

Sprechen Sie die Spannung an und trennen Sie berufliche und private Themen stärker. Hilft das nicht, kann eine neutrale Beratung, etwa eine Karriere- oder Paarberatung, neue Perspektiven eröffnen.