Köln – Arbeiten geht nur im Büro? Das war einmal. Immer mehr Bundesbürger haben einen Platz dafür in ihren Häusern oder Wohnungen.

Bereits jedes dritte deutsche Unternehmen ermöglicht seinen Beschäftigten nach Angaben der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) die Nutzung der eigenen vier Wände als Arbeitsplatz. Bei den Großbetrieben sei es bereit jede zweite Firma, berichtet BDA-Experte Alexander Böhne. Das «Homeoffice» gilt als ein Trends der kommenden Jahre. «Das ist ein Modell, das in der Zukunft im Zuge der Digitalisierung noch mehr zunehmen wird», sagt Böhne.

Arbeitszimmer werden zu Wohnzimmern und auch auf dem Ruhesessel im Bad lassen sich Mails lesen, meint Designer und Creative Director der Möbelmesse
IMM in Köln (Publikumstage: 20. bis 22. Januar), Dick Spierenburg. Doch ob im Sessel oder am Küchentisch: Anschlüsse seien das wichtige Zubehör. «Arbeiten kann man überall. Man braucht nur Strom», sagt Spierenburg.

Dabei sollten die Stecker möglichst unsichtbar etwa zwischen Polsterung oder unter Tischplatten verschwinden. Statt eines hochtechnischen Bürostuhls dürfe es im modernen Homeoffice auch eine komfortable Sitzgelegenheit vom Esstisch sein, erklärt er.

Die Vermischung von Wohn- und Arbeitsraum sieht Elke Ahlers von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung dagegen problematisch – etwa mit Blick auf mögliche Gesundheitsprobleme durch mangelnde Ergonomie. Denn längst nicht jeder heimische Arbeitsplatz muss nach der aktuellen
Arbeitsstättenverordnung vom Arbeitgeber fachgerecht eingerichtet werden. Nur unter bestimmten Voraussetzungen wird das Zubehör dazu gestellt.

Das wohnliche Homeoffice kann zudem Stress verursachen – etwa wenn es nicht gelingt, Arbeit und Freizeit sauber voneinander zu trennen. «Das ist ein zweischneidiges Schwert», sagt Arbeitspsychologe und -mediziner Michael Kastner. Notwendig sei ein diszipliniertes Zeitmanagement der Arbeitnehmer mit festen Blöcken für die einzelnen Aktivitäten. «Den Trend zur Vermischung sehen wir ganz klar», berichtet Kastner.

Beim Arbeitgeberverband BDA verweist man dagegen auf die Vorteile für Beschäftigte wie Selbstkompetenz, Selbstmotivation und das Setzen von Zielen. «Nicht jeder kann oder will das», sagt Böhne. Es gebe jedoch keinerlei Zahlen, die die Behauptung belegten, Beschäftigte beuteten sich im Homeoffice selbst aus.

In vielen Bereichen sei der Arbeitsplatz zu Hause auch schwierig oder unmöglich – etwa in der industriellen Produktion oder bei direktem Kundenkontakt. Auch das Thema Datensicherheit spiele eine Rolle. Ein klarer Vorteil sei indes die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, meint Böhne. Doch gleichzeitig sei es wichtig, zu den Kolleginnen und Kollegen Kontakt zu halten. Sonst geht der soziale Austausch verloren – aller Gemütlichkeit bei der Heimarbeit zum Trotz.

Fotocredits: Rolf Vennenbernd
(dpa)