Die anonyme Bewerbung wird derzeit als Heilmittel gegen Diskriminierung bei der Bewerbung gehandelt. Doch wie sieht es tatsächlich damit aus? Ein Projekt der Antidiskriminierungsstelle zeigt durchaus positive Ergebnisse auf.

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Bei der anonymen Bewerbung hat eine neutrale Stelle im Haus sämtliche Daten wie Alter, Geschlecht, Name und Foto geschwärzt, bzw. entfernt, bevor diese zur Personalabteilung weitergereicht wurden. Frauen, ältere Bewerber und Menschen mit Migrationshintergrund sollten so nicht mehr diskriminiert werden und bei den selben Qualifikationen die selben Möglichkeiten erhalten, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Letztes Jahr startete das Projekt, an welchem fünf große Unternehmen (Deutsche Post, Deutsche Telekom, Procter&Gamble, L’Oréal, Mydays) sowie die Bundesagentur für Arbeit, das Bundesfamilienministerium und die Stadt Celle teilnahmen.

Pilotprojekt anonyme Bewerbung

Das Projekt startete im November des vergangenen Jahres und soll nun noch ein halbes Jahr weitergehen. Dabei wurden sowohl Nebenjobs und leichte Tätigkeiten bis hin zu Positionen im Management vergeben. 4000 Bewerber haben an dem Projekt teilgenommen und bisher wurden 111 Stellen auf diese Art und Weise vergeben. Nach Ablauf des Projektes sollen das Institut zur Zukunft der Arbeit und die Europa-Universität Viadrina das Projekt aufarbeiten und die Ergebnisse festhalten, um die Rentabilität des Verfahrens festzustellen.

Resonanz auf die anonyme Bewerbung

Dabei ist die Resonanz von den teilnehmenden öffentlichen und privaten Arbeitgebern durchaus positiv. Die Stadt Celle hat bereits beschlossen das Verfahren in Zukunft weiterhin anzuwenden. Es soll vor allem weniger zeitaufwendig sein und das Augenmerk der Personalabteilungen voll auf die Qualifikationen der Bewerber lenken.

Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes: Christine Lüders

Die anonyme Bewerbung ist das erste große Projekt der Antidiskriminierungsbeauftragten des Bundes, Christine Lüders. Die Pädagogin wurde im Februar letzten Jahres zu dieser Position bestellt und löste so ihre Vorgängerin, Martina Köppen, ab. Lüders kam schon als Kind früh in Kontakt mit Diskriminierung, als sie in Rüsselsheim aufwuchs – einer Gegend mit vielen Gastarbeitern. Als Pädagogin unterrichtete sie an einer Schule in einem Frankfurter Problemviertel und hohem Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund. Auch in der freien Wirtschaft konnte sie während einer 17-jährigen Beschäftigung bei der Lufthansa ihre Erfahrungen sammeln.

Zukunft des Projekts

Ob sich das Projekt der Antidiskriminierungsstelle des Bundes durchsetzten wird, ist noch unklar. Dafür müssen die Ergebnisse nach Abschluss wohl noch genauer untersucht werden. Sicher ist jedoch, dass es sich bei diesem Projekt um einen sehr wichtigen Schritt hin zu weniger Diskriminierung bei der Bewerbung handelt. Zumindest die Problematik wird offen angesprochen und kommt so ins Bewusstsein der Öffentlichkeit und Gesellschaft.